Bundesliga 4. Spieltag

Verdienter Arbeitssieg für Frankfurt

SG Essen Schönebeck- FFC Frankfurt 1:2 (1:1)

Text und Bilder von Heinz Günter Sporkel

11.9.2005    Der deutsche Meister gab seine Visitenkarte im Stadion „Am Hallo“ in Essen Stoppenberg ab. Viele Essener Fans überschlugen sich mit der Höhe des Ergebnistipps. So war ein 1:6 genauso zu finden wie ein 1:4. Mein Tipp hieß vor dem Spiel noch 0:5. Doch es sollte für viele Zuschauer anders als gedacht kommen. Essen rang dem deutschen Meister alles ab. Der FFC musste sich mächtig strecken und viel Schweiß im Ruhrgebiet lassen.

Punkt 14 Uhr pfiff Schiedsrichterin Christine Beck aus Magstadt an, und es begann alles wie gewohnt. Schönebeck stand massiv in der Abwehr, um eventuell die Möglichkeit zu nutzen schnell den Ball nach vorne zu treiben. Frankfurt bestimmte sofort das Spiel. Drei Punkte mußten über den Außenseiter her. Immerhin bildet das Frankfurter Aufgebot das Who is Who der Bundesliga. Steffi Jones musste verletzungsbedingt passen. Ihr Einsatz ist auch bei den anstehenden UEFA-Cup Spielen noch ungewiss. Doch Steffi saß auf der Bank zu aller Freude der jungen Fans. Immerhin ist die Nationalspielerinnen eine hervorragende Sympathieträgerin und immer gerne gesehen.

Frankfurts Abwehrspielerin Katrin Kliehm muss hier die Essener Stürmerin Charline Hartmann passieren lassen

Ralf Agolli konnte schon neidvoll auf den Spielberichtsbogen schauen. Selbst jede Ersatzspielerin des FFC wäre für sein Team eine große Verstärkung. Stefanie Weichelt fand ja den Weg vom FFC Frankfurt in dieser Saison zur SGS. Auch Sandra Albertz wäre fast in Schönebeck gelandet.

Die Anfangsphase gehörte dem FFC. Pia Wunderlich machte Meter um Meter. So war es auch Wunderlich, die das 1:0 vorbereitete. Ein Ballverlust der Essenerinnen im Mittelfeld, ein schneller Pass auf Birgit Prinz. Der Ball zappelte hinter Stefanie Löhr ins Netz und Frankfurt führte bereits nach acht Spielminuten. Eine schnelle Führung und Schönebeck bangte wie hoch die Niederlage wohl werden wird.

Zwei Minuten später war es wieder Birgit Prinz. Die Nationalstürmerin hämmerte eine Granate aus 25 Metern aufs Tor. Doch das runde Leder knallte nicht ins Tor, sondern an den rechten Torpfosten. Frankfurt war in Spiellaune, doch der Deutsche Meister vergaß dabei das Toreschießen. Pia Wunderlich flog in der 14.Spielminute knapp am Ball vorbei. Wieder wurde eine Riesenmöglichkeit nicht genutzt.

Melanie Hoffmann hatte dann die erste Chance für Schönebeck. Doch nach einem tollen Zuspiel von Mirja Kothe blieb Hoffmann in der gut organisierten Frankfurter Abwehr hängen. Im Gegenzug scheiterte Sandra Smisek an Steffi Löhr. Löhr begrub den Ball unter sich und verhinderte eine höhere Führung. Kurz darauf tankt sich Birgit Prinz kraftvoll durch die Schönebecker Reihen doch wieder flog der Ball am Tor vorbei. Nach einem Foulspiel an Katrin Kliehm sah Charline Hartmann die gelbe Karte von Schiedsrichterin Beck. Man sah nicht viel in den ersten vierzig Spielminuten von der Heimmannschaft. In der Abwehr stand Essen recht ordentlich. Nach vorne lief nicht allzu viel zusammen.

Doch der Ausgleich fiel dann nach einer Kette individueller Fehler des FFC. Marleen Wissink eilte weit aus dem Tor. Renate Lingor und Tina Wunderlich zu inkonsequent. Keine schlug den Ball weg. Hartmann nahm Wissink den Ball ab und schob ihn locker zum Ausgleich ins Tor. Sehr zum Ärger von Frankfurts Trainer Tritschoks. Doch dem Gästetrainer trieb eine andere Situation die Zornesröte ins Gesicht.

Sandra Smisek verpasste in der 43.


Beide Teams lieferten spannendes Spiel auf hohen Niveau. Von links: Frankfurts Torhüterin Marleen Wissink, am Ball Essens Stefanie Weichelt bedrängt von Katrin Kliem, daneben Mirja Kothe, ganz rechts Nia Künzer.

Spielminute die Führung und traf das Tor nicht. Der Aufreger für Tritschoks mit dem Halbzeitpfiff. Kerstin Garefrekes traf das Tor. Schiedsrichterin Beck erkannte den Treffer wegen Abseits nicht an. Der Trainer war sich sicher, dort kein Abseits gesehen zu haben. Von meiner Position war es nicht deutlich zu erkennen. So gingen beide Mannschaften mit den 1:1 zum Pausentee. Die Zuschauer waren zufrieden. Das Ergebnis für Schönebeck war sehr schmeichelhaft. Allerdings wenn man seine Tormöglichkeiten nicht nutzt, darf man sich über das Pausenremis nicht wundern.

893 Zuschauer freuten sich auf die zweite Halbzeit. Beide Mannschaften gingen wieder forsch ans Werk. Schönebeck wirkte nun etwas mutiger. Mirja Kothe blieb nach einem schönen Pass von Hartmann in aussichtsreicher Position an Frankfurts Abwehr hängen.

In der 56.Spielminute dann aber die erneute Führung für den FFC. Ein schöner langer Ball von Pia Wunderlich in den Essener Strafraum. Sandra Smisek steigt hoch und erwischt den Ball wuchtig, mit Köpfchen an Steffi Löhr vorbei ins Gehäuse. Riesenjubel auf der Frankfurter Trainerbank. Doch das Tor war keine Erlösung. Man musste weiterhin harte Arbeit leisten. Renate Lingor bereitete Steffi Löhr sehr viel Mühe. Schlitzohrig schlenzte Lingor einen Ball aufs Essener Tor, doch Löhr konnte mit Mühe den Einschlag verhindern.

Sandra Smisek, hier am Ball gegen Stefanie Weichelt, sorgte schließlich für den Frankfurter Siegtreffer

Ein Weitschuss von Pia Wunderlich strich knapp über die Torlatte der Schönebecks. Der Meister mit Tormöglichkeiten. Doch irgendwie hatten Lingor und Co. zumindest in Sachen Chancenauswertung kein Zielwasser parat. Birgit Prinz setzte einen gut ausgeführten Konter über das Tor. Die Zeit neigte sich langsam dem Ende entgegen. Frankfurt kam dem Sieg langsam näher, doch musste man höllisch aufpassen, nicht doch noch den Ausgleich zu erleiden. Stefanie Ducke und Julia Bolle sorgten noch einmal für mächtig viel Wirbel. Ralf Agolli brachte die beiden Spielerinnen für Jennifer Balkenhol und Charline Hartmann. Zwei Minuten vor dem Apfiff stand dann Julia Bolle alleine vor Marleen Wissink. Mit einer großartigen Parade rettete die Nummer Eins im Kasten des FFC den Sieg.

Ein 2:2 wäre für Schönebeck eine Riesensache gewesen, allerdings hätte es den Spielverlauf auf den Kopf gestellt. Am Ende waren beide Seiten zufrieden. Frankfurt nimmt verdient mit einem Arbeitssieg die Punkte mit nach Mainhatten. Essen war nahe dran und hat dem FFC wieder einmal Kopfschmerzen bereitet. Die Zuschauer sahen ein spannendes und abwechslungs- reiches Spiel. Alles in allem tolle Werbung für den Frauenfußball. Positiv für den FFC Frankfurt ist, dass der bisherige Tabellenführer FCR 2001 Duisburg patzte und in München nicht über ein 0:0 hinaus kam. So übernimmt der FFC Frankfurt an diesem vierten Spieltag als einzige Mannschaft ohne Punktverlust die Tabellen- führung.


Nur mit der Zuschauerzahl war man in Essen nicht zufrieden, man hatte sich einen größeren Zuspruch erhofft.

Sarah Günther zu ihrem Wechsel und dem heutigen Spiel des FFC:
Das Spiel war von vorne bis hinten sehr konfus und sehr zäh. Die Abspiele haben oftmals zu lange gedauert und die Absprache hat nicht gestimmt. Wir hatten zu viele Lücken und Ballverluste im Mittelfeld, dadurch ist Essen immer wieder im Ballbesitz gekommen. Das war heute halt nicht unser Spieltag. Der Wechsel selbst war super. Ich habe mich sehr gut eingelebt. Habe mich sehr gut in die Mannschaft gefunden und es macht sehr viel Spaß.

Sarah Günther ist vom HSV zum FFC Frankfurt gewechselt und fühlt sich dort sehr wohl

Pressekonferenz :

Dr. Jürgen Tritschoks (FFC Frankfurt):
Wir haben ein spannendes und abwechslungsreiches Spiel vor allem in der Endphase gesehen. So was bringt den Frauenfußball nach vorne und die Attraktivität steigt. Es war ein verdienter Arbeitssieg. Gerade in der ersten Halbzeit mussten wir konsequenter im Abschluss sein. Wenn man dann zum Ausgleich kommt darf man sich nicht wundern. Smisek hat ein tolles Kopfballtor gemacht. Essen hat alles gegeben, hat gekämpft und gefightet.

Ralf Agolli (Schönebeck):
Man hätte zum Schluss noch zum Ausgleich kommen können, das wäre nicht unbedingt unverdient gewesen. Wir haben selbst die letzten zwanzig Minuten unter Druck den Ball sehr schön laufen lassen. Ich kann meiner Mannschaft ein Riesenkompliment machen wie sie gegen eine Weltklassemannschaft Fußball gespielt hat. Wir haben Frankfurt gerade in der zweiten Halbzeit richtig Paroli geboten. Wir haben alles umgesetzt was wir uns vorgenommen hatten. Eine Birgit Prinz spielen zu sehen, ist eine Augenweide. Wir haben nur 1:2 verloren, doch auch dies ist eine Niederlage.

SG Schönebeck:

Löhr- Schubert, Duhme, Balkenhol (61.Ducke), Arndt, Hoffmann, Hartmann, (77.Bolle), Gäggeler, Deilmann, Weichelt (71.Müller), Kothe

FFC Frankfurt:

Wissink- Hansen, Künzer, P.Wunderlich, T.Wunderlich, Prinz, Lingor, Kliehm (85.Weber), Günther, Garefrekes, Smisek (64.Bartusiak)

Schiedsrichterin Christine Beck (Magstadt)
Assistentinnen: Yvonne Bengfort und Nathalie Widmann

Tore:
0:1 (8.) Prinz
1:1 (40.) Hartmann
1:2 (56.) Smisek

Gelbe Karten: Hartmann und Gäggeler (beide SGS)

Zuschauer 893


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