1. Bundesliga, 8. Spieltag

FCR ohne viel Mühe zum Sieg

SG Essen-Schönebeck - FCR 2001 Duisburg 1:5 (0:3)

Von Heinz Günter Sporkel (Text und Fotos)

31.10.2005    Ralf Agolli erwartete den ersten Big Point „Am Hallo“ gegen einen Meisterschaftsfavoriten. Nach den tollen Spielen der SGS gegen den FFC Frankfurt und vor allem dem Pokalspiel gegen Turbine Potsdam war die Truppe von Dietmar Herhaus auch gewarnt. Die Fans beider Seiten erwarteten einen tollen Fight. Doch diesmal war der Favorit in allen Belangen überlegen und am Ende war es so wie immer. Schönebeck stand verdient mit leeren Händen da und der FCR hatte ohne viel Mühe drei Punkte auf der Habenseite.

Dietmar Herhaus hatte eine dicke Überraschung für die Zuschauer parat. So staunten die Fans nicht schlecht, als Andrea Lenart für ihre Mannschaftskollegin Fatmire Bajramaj in der Startformation stand. Das neue Rotationsprinzip greift beim FCR Duisburg. Andrea Lenart nutzte dann auch postwendend ihre erste Tormöglichkeit. Schönebecks Abwehr war in der 3. Spielminute im Tiefschlaf und Lenart ließ Steffi Löhr keine Chance – 1:0 für den FCR. Für Andrea Lenart war es bereits der dritte Saisontreffer. Besser kann eine Bundesligakarriere doch gar nicht beginnen.

Andrea Lenart

Andrea Lenart erzielte in Essen ihren dritten Saisontreffer

Bei herrlichem Wetter wirkten die Aktionen des FCR durchdachter und auch präziser. Essen verlor zu oft den Ball. Dazu kam eine ideenlose Spielweise der Gastmannschaft. Man sah sofort, wer Herr im Hause war, eindeutig der FCR Duisburg. In der 8.Spielminute dann Elfmeter für Duisburg. Inka Grings wurde im Strafraum zu Fall gebracht. Diesmal ging Inka aber nicht zum Strafstoßpunkt. Grings überließ ihrer Mitspielerin Shelley Thompson den Auftrag. Trocken schoss Shelley den Elfmeter und Duisburg führte mit 2:0. Den 1004 Zuschauern war jetzt schon klar, welches Team als Sieger vom Platz gehen würde. Der Tabellenführer musste heute auf Elena Hauer (Grippe), Iris Flacke und Verena Hagedorn (beide verletzt) verzichten. Bei der SGS fehlte Stefanie Ducke-Kopec ebenfalls grippebedingt.

Schönebeck kam dem offensiv ausgerichteten Gegner nicht nach. Teilweise kamen sie gegenüber ihren Mitspielerinnen auch zu spät. So hatte Carina Chojnacki nach einer Viertelstunde Spielzeit Glück, nicht die rote Karte von Schiedsrichterin Christine Frai aus Bremen zu sehen. Ihr überhartes Einsteigen gegen Andrea Lenart wurde mit Gelb geahndet. Fünf Minuten später sah auch Charline Hartmann nach einem Foul an Madleen Wilder die gelbe Karte. Wilder musste verletzt den Platz verlassen. Sie hatte eine dicke Blessur am Finger und wurde ins Krankenhaus gefahren. Doch Madleen war in der zweiten Halbzeit im weiten Rund „am Hallo“ aufzufinden. Ein dicker Verband um den Finger gewickelt, da scheint alles halb so wild zu sein. Der Fansoccer wünscht Madleen alles Gute.

Stefanie Löhr sorgte dafür, dass der Spielstand nicht zu hoch ausfiel. In gewohnter Manier hielt sie Bälle von „Patty“ Hanebeck, Inka Grings und Co. Die Deckungsarbeit der SGS war allerdings ein wenig erschreckend. Dagegen muss man auch objektiv natürlich die Klasse des Gegners erwähnen.

Shelley Thompson, Stefanie Löhr

Diesmal schritt nicht Inka Grings, sondern Shelley Thompson zum Punkt - sicher verwandelt gegen Stefanie Löhr

Anne van Bonn hätte mit einem schönen Weitschussheber über Steffi Löhr das Tor des Tages erzielen können, doch ihr Ball ging knapp über das Essener Tor. Nach einer missglückten Abseitsstellung ging Jennifer Oster auf und davon. Oster schoss den Ball ins Tor der Essenerinnen. Das Spiel war nun endgültig entschieden, nach 36 Spielminuten hieß es 3:0 für Duisburg. Doch der FCR wollte vor der Pause noch mehr. Patty Hanebeck mit einem schönen Zuspiel auf Inka Grings, die ließ


Simone Laudehr, Barbara Müller, Stephanie Schubert, Shelley Thompson

Simone Laudehr umspielt Barbara Müller. Im Hintergrund Stephanie Schubert und Shelley Thompson

Chojnacki stehen und scheiterte dann an Steffi Löhr (37. Spielminute). Kurz vor der Pause dann einmal umgedreht. Inka Grings spielte den Ball zu Patty Hanebeck. Hanebeck versuchte es mit einem Heber, doch wieder ging der Ball über das Tor.
Schiedsrichterin Christine Frai lud dann zum Pausentee. Die 3:0-Führung für den FCR Duisburg ging voll in Ordnung. Der FCR wollte und schaffte es auch von Beginn an, dem Spiel den Stempel aufzudrücken. Schönebeck schaffte es eigentlich nur zu reagieren. Selber kam der Gastgeber nicht ins Spiel.

In der zweiten Halbzeit kam die SGS dann aber besser ins Spiel. In der 49.Spielminute ein Freistoß für die SG Schönebeck. Carina Chojnaki drosch den Ball in die Mauer. Das runde Ding kam zu Carina zurück, ein Lupfer über die herauseilenden Löwinnen und ein Zuspiel auf Charline Hartmann. Hartmann nahm an und schoss an Silke Rottenberg vorbei zum 1:3. Silke Rottenberg fiel noch in der frühen Nacht auf. Um 0.18 Uhr loste sie das Achtelfinale des DFB-Pokals der Herren im ZDF Sportstudio aus. Auch dabei zeigte die sympathische Torhüterin ein gutes Händchen. Immerhin heißt eine Spielpaarung FC Bayern München - Hamburger SV - ein absolutes Topspiel. Weniger Qualitäten zeigte Silke beim Torwandschießen (kein Treffer), nicht umsonst ist Silke im Tor. Ein flapsiger Spruch Richtung Joachim Löw (Co Trainer DFB Nationalmannschaft der Herren) zur angespannten Torwartsituation: „Wenn die beiden (Kahn und Lehmann) nicht möchten, gehe ich ins Tor.“

Trotz des Anschlusstreffers wirkte es nicht so, dass Schönebeck dem Gegner gefährlich werden könnte. Die Herhaus-Truppe stand einfach zu perfekt. Nach einer Stunde sorgte Shelley Thompson wieder für den alten Abstand. Wieder einmal schlechtes Abwehrverhalten bei der SGS. Shelley sagte danke und schoss ihren zweiten Treffer. Für Thompson, letzte Saison noch Torjägerin der Bundesliga, wieder einmal ein herrliches Gefühl. Zwei Treffer in einem Spiel gelangen ihr auch im letzten Auswärtsspiel beim VFL Sindelfingen.

Fatmire Bajmaraj, mittlerweile für Andrea Lenart eingewechselt, sorgte für den Schlusspunkt in der 83. Spielminute. Die Schönebecks wollten den Ball wegschlagen, doch stand ihnen da Fatmire im Weg. Bajmaraj nutzte ihre Möglichkeit eiskalt.

Jennifer Balkenhol, Patricia Hanebeck

Jennifer Balkenhol (l.) und Patricia Hanebeck kämpfen um den Ball

Bei schönstem Herbstwetter, Temperaturen über 20 Grad und warmem Sonnenschein pfiff Christine Frai das Spiel dann ab. 1004 Zuschauer sahen allerdings ein mäßiges, kein tolles Spiel. Die SGS machte zu viele kleine Fehler, die der FCR dann eiskalt nutzte. Schönebeck bleibt im unteren Mittelfeld kleben, weil die anderen Teams dort auch verloren haben. Der FCR 2001 Duisburg verteidigt die Tabellenführung. Allerdings haben Turbine Potsdam und der FFC Frankfurt noch Nachholspiele wegen des UEFA-Cups.

Die SG Schönebeck erwartet am 13. November um 14 Uhr den Hamburger SV „Am Hallo“. Bis dahin gilt es, noch einiges zu verbessern. Für den FCR 2001 Duisburg wird es nächste Woche sehr hart. Da spielt man im DFB-Pokal-Achtelfinale beim SC 07 Bad Neuenahr.

Madleen Wilder mit einem Statement nach dem Spiel zum Fansoccer:
„Wie immer in Schönebeck werde ich vom Platz getragen. Letztes Mal hatte ich ein blaues Auge und jetzt habe ich einen kaputten Finger. Wir haben gewonnen, das ist das einzig Gute daran. Ansonsten wünsche ich Schönebeck viel Glück. Der Finger schmerzt und es brennt noch. Morgen kann ich mich ausruhen und ab Dienstag werde ich dann wieder voll mittrainieren.“


Pressekonferenz:

Dietmar Herhaus vom FCR 2001 Duisburg:
„Es war heute ein gutes Fußballspiel. Ich bin zufrieden mit meiner Mannschaft. Sie hat zumindest in der ersten Halbzeit das umgesetzt, was wir uns vorgenommen haben. Es war gut für uns, dass wir schnell in Führung gegangen sind. Es ist eine tolle Sache, wenn man so eine Mannschaft trainieren kann und einen Kader hat, der sehr ausgeglichen ist. Notgedrungen wegen Krankheit musste ich Andrea Lenart ins Gefecht schmeißen. Sie hat es mit dem 1:0 und einer soliden Leistung bestätigt. Wir haben der Bundesliga gezeigt, dass wir nicht nur aus Inka Grings bestehen, sondern dass andere auch noch Tore schießen können. Zu so einem Spiel gehören zwei Mannschaften. Es war alles da, ein schnelles Spiel, schnelle Kombinationen. Es gab Zweikämpfe, Strafraumaktionen und sicherlich auch Härte. Ich würde nicht von einem unfairen Spiel sprechen. Wir sind beim Fußball und wollen auch im Frauenfußballbereich ernst genommen werden. Ich fahre zufrieden nach Hause und wir können uns den nächsten Aufgaben selbstbewusst widmen.

Oster, Mittag, Hanebeck

In der Nacht noch im Sportstudio Lose gezogen, um 14 Uhr wieder im Duisburger Tor: Nationaltorfrau Silke Rottenberg

Ralf Agolli von der SG Essen-Schönebeck:
„Ich bin nicht zufrieden, das ist natürlich klar nach einer 1:5-Niederlage. Mit einer knappen Niederlage hätte ich gut leben können. Ich hatte gehofft, wir könnten einen von den „drei Großen“ ärgern. Den Größten allerdings haben wir nicht geschafft. Frankfurt und Potsdam waren hier, aber der FCR ist mit Abstand die spielerisch stärkste Mannschaft. Das Spiel fing dumm für uns an. Erst das frühe 0:1, dann nach acht Minuten das zweite Tor. Gegen so ein Team wie Duisburg, da ist das Spiel gelaufen. Wenn ich sehe, was der Dietmar gerade im offensiven Bereich für eine Mannschaft hat, dass ist schon aller Ehren wert. Er hat Grings und Thompson vorne, kann dann eine Bajramaj einwechseln, das ist schon erlesen. Mit einem 1:5 kann man leben, andere haben gegen Duisburg eine dickere Packung bekommen. Ich hoffe für den Frauenfußball, dass Duisburg bis zum Saisonende Tabellenführer bleibt, dass mal eine andere Mannschaft als Turbine Potsdam oder der FFC Frankfurt Meister wird. Ich hoffe, wir haben heute gegen den zukünftigen Deutschen Meister verloren.“

Aufstellungen

SG Essen-Schönebeck:
Löhr, Chojnacki (73. van Kampen), Schubert, Tancyus (46.Winter), Balkenhol, Hoffmann, Hartmann (81.Bolle), Deilmann, Weichelt, Müller, Kothe

FCR 2001 Duisburg:
Rottenberg, van Bonn, Krahn, Wilder (23.Schröder), Hauser, Oster, Thompson, Grings (52. Weber), Hanebeck, Lenart (59.Bajramaj), Laudehr

Tore:
0:1 Lenart (2.)
0:2 Thompson (8.)
0:3 Oster (36.)
1:3 Hartmann (49.)
1:4 Thompson (60.)
1:5 Bajramaj (83.)

Gelb: Chojnacki, Hartmann - van Bonn

Schiedsrichterin: Christine Frai (Bremen)

Zuschauer: 1004


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