FFC Brauweiler Pulheim : FFC Heike Rheine
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1. Bundesliga - 15. Spieltag

Die Zeit der Fehlpässe und Missverständnisse

FFC Brauweiler Pulheim : FFC Heike Rheine 1:2 (1:1)

Von Uwe Carlitscheck (Text)
und Mareike Carlitscheck (Bilder)


03.04.2006

Eigentlich hätte dieses Spiel ein Befreiungsschlag für die Brauweilerinnen werden sollen. Schließlich ist die Sorge, nach nur einem Jahr die oberste Spielklasse des Frauenfußballs wieder verlassen zu müssen, noch nicht ganz beseitigt. Sicher, da sind acht Punkte Vorsprung vor Sindelfingen, dem Mitaufsteiger; aber ob das zum Klassenerhalt ausreicht, wissen wir erst kurz vor Ende der Saison, vielleicht sogar erst am letzten Spieltag, wenn Sindelfingen in Brauweiler antreten muss. Es sollten schon noch einige Punkte gegen andere Gegner geholt werden, nur - gegen wen?!

Den Grün-Weißen fehlt es nicht am guten Willen, am Kampfgeist, an der Einsatzbereitschaft. Diese Tugenden waren auch heute in vielen Phasen des Spiels zu spüren. Man wollte nicht verlieren! Das große Defizit der Mannschaft ist noch immer der Angriff, der sich heute nach einigen Umstellungen zwar gegenüber dem Vorsonntag verbessert zeigte, der aber nach wie vor zu wenig Torchancen herausspielt und mit den wenigen, die entstehen, fahrlässig umgeht.
Das Spiel gegen den heutigen Gegner FFC Heike Rheine war ein deutliches Zeichen dafür. Der an sich harmlose Gegner war im gesamten Spielverlauf vielleicht vier-, fünfmal gefährlich in der Nähe des Brauweiler Tores, aber daraus machten sie zwei Treffer.

Die Gastgeber begannen recht schwungvoll, so dass eine baldige Führung zu erwarten war. In der 14. Minute kam die sehr bemühte Eva Augustin in der Mitte frei zum Schuss, doch sie traf nur die Rheiner Torhüterin Loes Geurts – Chance vertan! Doch Brauweiler wollte es wissen, stürmte weiter und wurde schon eine Minute später belohnt. Mit einem sehr gefühlvollen Heber über die ihr entgegen stürzende Geurts traf Frauke Renner zum 1:0. Dies war im Jahr 2006 der erste zuhause erzielte Treffer für Brauweiler!

Angespornt durch diese Führung, wurden die Gastgeberinnen stärker und erspielten eine deutlich erkennbare Überlegenheit. Der nächste Torerfolg wäre nicht überraschend gewesen. Doch stattdessen völlig überraschend in der 26. Minute der Ausgleich für die Gäste: Gegenangriff über rechts, Hereingabe, und die freistehende Melissa Thiem hatte genug Zeit, sich den Ball zurechtzulegen und mit einem trockenen Flachschuss ins linke Eck zu treffen - 1:1.

Auch wenn vermutliche beide Vereine die Klasse halten können, müssen sich Brauweiler und Rheine zur nächsten Saison deutlich verstärken.


Die einzigen Nationalspielerinnen in den Teams: Kerstin Stegemann für Rheine (Mitte) und Sonja Fuss aus Brauweiler (Nr. 15).

Ab jetzt verflachte das Spiel zusehends. Die Aktionen auf beiden Seiten wurden zerfahrener, unkonzentrierter. „Beide Mannschaften müssen noch viel lernen“, sagte ein Zuschauer, und er hatte wohl Recht. Stark nur die beiderseitigen Abwehrreihen, obwohl es ihnen auch nicht allzu schwer gemacht wurde. Es war eine Zeit der Fehlpässe und Missverständnisse.

Der erstmals wieder mitwirkenden Louisa Bisby merkte man ihre lange Spielpause an; sie wurde in der 65. Minute gegen Ilona Demirtas ausgewechselt. Eva Augustin und Leah Sims gaben sich viel Mühe, wogegen Alexandra Muresan in einigen Situationen recht unglücklich agierte. Bei Rheine waren es Kerstin Stegemann und die sehr schnelle Dyanne Bito, die noch den agilsten Eindruck hinterließen, doch spielte die Mannschaft so, als sei man mit dem Remis zufrieden.

Kerstin Stegemann (r.) war wie üblich der Antriebsmotor der Gäste.

Dennoch kam es im Lauf der zweiten Hälfte zu einigen Highlights. Susanne Kasperczyk versuchte sich mit einigen Schüssen ebenso erfolglos wie Kerstin Stegemann auf der anderen Seite, die zweimal durch die Abwehr tanzte, aber nicht platziert genug schoss; Britta Trescher war auf dem Posten. Und als die Anwesenden das 1:1 schon als verdientes Endergebnis werten wollten, kam es knüppeldick: In der 76. Minute sah Oana Niculescu die Rote Karte. Der sicher leitenden Schiedsrichterin Elke Günthner blieb nach der Notbremse gegen die frei durchlaufende Dyanne Bito keine andere Wahl. Mit Unterzahl wurde es bei nun einsetzendem starkem Regen immer schwerer für Brauweiler, den Ball in den eigenen Reihen zu halten. Dennoch kam Kasperczyk zehn Minuten vor Schluss bei einem Konter zum Schuss. Aus gut 25 Metern traf sie nur gegen die Unterkante der Latte, von der der Ball zurück ins Feld sprang.
Susanne Kasperczyk war trotz ihres Lattenschusses zehn Minute vor dem Ende das Lachen nicht vergangen.

In der 87. Minute erhielt Rheine nahe der Strafraumgrenze einen Freistoß, den Trescher jedoch zunächst parieren, allerdings nicht festhalten konnte. Den seitlich abprallenden Ball schoss Lena Kattenbeck ins lange Eck - 1:2, Endstand. Für Brauweiler eine vergebene Chance, wenigstens einen Punkt zu holen; sogar drei wären heute möglich gewesen. Der Gästesieg ist mehr als glücklich, doch darum brauchen diese sich nicht zu kümmern. Für sie zählen allein die Punkte.

Aufstellungen

Brauweiler
Trescher, Kasperczyk, Renner, Muresan, Augustin, Niculescu, Fuss, Sims, Lenz (68. Fehrenbach), Gorges, Bisby (65. Demirtas)

Rheine
Geurts, Mittendorf, Kattenbeck, Thiem (68. Voss), Torny, Reinicke, Bito, Stegemann, Hunecke, Bock, Graf

Tore:
1:0 Renner (15.)
1:1 Thiem (26.)
1:2 Kattenbeck (87.)

Schiedsrichterin: Elke Günthner (Bamberg)

Gelbe Karte: Sims
Rote Karte: Niculescu (Notbremse)

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