Bilder von Mareike Carlitscheck Text von Uwe Carlitscheck 27.03.2006
Das für den heutigen Sonntag angesetzte Nachholspiel gegen den Hamburger SV beschert dem FFC Brauweiler-Pulheim drei Heimspiele hintereinander. Das ist eine große Chance, sich durch den einen oder anderen Punktgewinn etwas von den Abstiegsrängen zu entfernen. Allerdings sind die Gegner keine Punktelieferanten, sondern haben jeder für sich auch ein Ziel vor Augen, das es zu erreichen gilt. Konzentration und Einsatz sind gefragt, und wo es spielerisch nicht reicht, ist Kampf angesagt!
So war es heute mit den Gästen aus Hamburg kein vergnügliches Spielchen, sondern ein teilweise hart geführtes Kampfspiel, das jedoch nie in Unfairness ausartete. Keine der beiden Mannschaften dominierte wirklich, obgleich die Zuschauer den Eindruck bekamen, dass die Gäste im entscheidenden Augenblick immer einen Schritt schneller und damit eher am Ball waren. Dass es am Ende nicht zu einem erhofften Punktgewinn für die Gastgeber langte, lag vor allem und ganz besonders an deren fehlenden Stürmern. Im Angriffsspiel fehlten die Spritzigkeit und die Genauigkeit; es ging keine Gefahr von den Flügeln aus; Zweikämpfe wurden zu oft verloren und der Ball häufig planlos in den leeren Raum gespielt.
 Brauweilers Torfrau Britta Trescher machte ein gutes Spiel. Hier entschärft sie einen Eckball sicher
Die Abwehr mit der erneut hervorragend haltenden Britta Trescher und der mit viel Übersicht spielenden Denise Gorges machte insgesamt einen durchschnittlich-guten Eindruck. Was wegzuräumen war, wurde erledigt, was auf das Tor kam, wurde zur Beute der Torhüterin, die in einigen Szenen beider Halbzeiten mit gekonnten Paraden glänzte.
So fiel denn auch das 0:1 aus einer harmlos erscheinenden Situation. Zunächst hatte Tanja Vreden ein Tor erzielt, doch erstarb ihr Torjubel im Abseitspfiff. Freistoß für Brauweiler aus dem eigenen Strafraum heraus - also keine Gefahr - und auf einmal liegt der Ball doch im Netz. Völlig überraschend und überflüssig hatte die Kugel ihren Weg zur Hamburger Nummer 14, Julia Weigel, gefunden, gegen deren Heber kein Kraut mehr gewachsen war. Vermeidbarer kann ein Gegentreffer eigentlich nicht mehr sein!
Dennoch war zu diesem Zeitpunkt die Gästeführung verdient, denn bei Brauweiler lief eigentlich in der Anfangsviertelstunde nichts zusammen. Der Druck, hier eine Chance auf einen Punktgewinn zu haben, ließ Ruhe und Übersicht verloren gehen, Fehlpässe häuften sich, von Aufbauspiel war nichts zu sehen. Die Grün-Weißen kamen zu keinem druckvollen Angriffsspiel, Bälle gingen allzu oft ins Seitenaus oder fielen den gegnerischen Abwehrspielerinnen vor die Füße. Hamburgs Abwehr stand kompakt und solide, und wenn die Stürmerinnen geschickt wurden, kamen sie zumeist vor den Brauweilern an den Ball und schufen dadurch einige gefährliche Situationen vor dem Tor der Gastgeber. Erst im Verlauf der ersten Hälfte wurden diese etwas besser und das Spiel ausgeglichener.
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Brauweilers Nationalspielerin Sonja Fuss konnte es alleine auch nicht richten. Hier im Zweikampf mit Imke Wübbenhorst. Links beobachtet Brauweilers Abwehrchefin Denise Gorges die Szene, rechts Oana Niculescu und Aferdita Kameraj, ganz rechts Frauke Renner
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In der 20.Minute wurde Trescher zu einer Glanzparade gezwungen, in der 35. zischte ein scharf geschossener Ball aus 16 Metern flach am linken Pfosten vorbei.
Endlich, in der 42. Minute, der erste ernst gemeinte Schuss auf das Hamburger Tor; aber Susanne Kasperczyks Distanzschuss wird noch zur Ecke abgelenkt. So geht es mit der knappen, aber verdienten Führung für den HSV in die Pause.
Dass die Brauweilerinnen sich für die zweite Hälfte etwas vorgenommen hatten, sah man schon vor dem Wiederanpfiff an den aufmunternden Gesten, mit denen sie sich gegenseitig anspornten. Doch schon nach wenigen Augenblicken war dies zunichte. Der Wille, jetzt alles für den Ausgleich zu geben, erhielt in der 47. Minute einen argen Dämpfer. Aferdita Kameraj setzte sich in der Mitte der Brauweiler Spielhälfte geschickt durch, nach ihrem kurzen Solo blieb auch Trescher chancenlos - 0:2. Nach allem, was in der ersten Halbzeit zu sehen war, schien damit bereits die Entscheidung gefallen zu sein. Die Befürchtung ging eher in Richtung weiterer Gästetore. Doch diese blieben aus. Hamburg verwaltete die Führung, überließ den Gastgebern das Mittelfeld zu einer leichten optischen Überlegenheit und ließ mit seiner vielbeinigen Abwehr kaum einen wirklichen Angriff zu, blieb aber mit Kontern stets gefährlich. Dabei ließ Silva Lone Saländer die größte Gelegenheit aus, als sie aus kürzester Entfernung an Trescher scheiterte.
 Aferdita Kameraj, die das 0:2 erzielte, beim Freistoß. In der Mauer Sonja Fuss und mit der Nummer 6 Susanne Kasperczyk, im Tor dirigiert Britta Trescher die Mauer
Das Spiel verlagerte sich zu sehr ins Mittelfeld, wo sich so viele Spielerinnen tummelten, dass Fehlpässe zwangsläufig wurden, und zwar auf beiden Seiten. Den Brauweilern fehlte der befreiende, öffnende Pass, dennoch wurden ihre Angriffe nun zahlreicher. Erst in der 75. Minute kam der erste gefährliche Schuss durch Anne Lenz, wenig später prüfte erneut Kasperczyk die Hamburger Torhüterin Bianca Weech, doch der ersehnte Anschlusstreffer wurde nicht zugelassen. Die meisten Schüsse, die in Richtung Hamburger Tor abgegeben wurden, waren auch zu ungenau und immer haltbar.
Kurz vor Schluss fiel dann doch noch ein Tor, allerdings für Hamburg. Aber diesmal stand
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Kathrin Patzke im Abseits, so dass es bei dem verdienten Gästesieg von 2:0 blieb. Eine Erhöhung wäre nach dem Kampf und der Bereitschaft der Brauweiler in der zweiten Hälfte auch zu hoch gewesen - aber das ist noch nicht mal ein Trost!
Der FFC Brauweiler muss nun ganz schnell das Sturmspiel verbessern, möglichst eine Goalgetterin "herbeizaubern", damit das nächste wichtige Spiel, gegen Heike Rheine, nicht wieder an der eigenen Unzulänglichkeit scheitert. Verbessert werden müsste auch das Spiel aus dem Mittelfeld nach vorne. Sonja Fuss braucht Mitspielerinnen, die sich immer wieder anbieten, die mitdenken und die auch in der schnellen Ballannahme und -weitergabe sicherer sind. Wir Zuschauer in Pulheim wünschen uns weiterhin Spiele der ersten Liga, würden uns aber auch über ein gelegentliches Erfolgserlebnis mit der Mannschaft freuen!
 Ein kleiner HSV-Fan konnte sich über den Sieg seiner Mannschaft und den Aufstieg auf den vierten Tabellenplatz freuen - die Fans von Brauweiler müssen auf die nächsten Spiele hoffen
FFC Brauweiler Pulheim
Trescher -
Gorges, Niculescu, Kasperczyk (88. Balzer), Sims, Demirtas (56. Lenz), Augustin, Fuss, Renner,
Muresan, Defterli (56. Fehrenbach)
Hamburger SV
Weech - Haye, Gärtner, Engel, Schröer, Schubert (88. Heinßen), Saländer, Kameraj, Vreden, Wübbenhorst (83. Scheib), Weigel (66. Patzke)
Tore:
0:1 Weigel (11.)
0:2 Kameraj (47.)
Schiedsrichterin: Marina Wozniak (Herne)
Gelb: Wübbenhorst
Zuschauer: 100
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