1. Bundesliga, 8. Spieltag

Aufsteiger ohne Chance gegen den Meister

FFC Brauweiler Pulheim - 1. FFC Frankfurt 0:5 (0:2)

Von Uwe und Mareike Carlitscheck (Text und Fotos)

31.10.2005    Der Deutsche Meister beim Aufsteiger, die halbe Nationalmannschaft bei weitestgehend jungen, wenig erfahrenen Spielern - da zweifelt eigentlich niemand, wer wohl am Ende der Sieger sein wird. Zu groß ist der Abstand der Spitzenklubs der Liga zum Fußvolk. Das muss wegen der internationalen Wettbewerbsfähigkeit wohl so sein und ist in anderen Sportarten oder auch beim Männerfußball ähnlich. Die guten Spieler gehen zu den Vereinen, wo genügend Geld und bessere sportliche Perspektiven locken; damit werden die Starken immer stärker und vergrößern ihren Abstand zu den anderen.

Bei den Männern ist es der FC Bayern, dessen Team fast nur aus Nationalspielern verschiedener Länder besteht. Diese Bayern spielten an diesem Wochenende in Köln - also auch hier Aufsteiger gegen Meister, eine Parallele zum Spiel in Pulheim. Ich habe beide Spiele gesehen; samstags in Köln zusammen mit 50.000 Zuschauern, sonntags in Pulheim mit immerhin 410 Besuchern. Parallel war, dass der jeweilige Favorit gewann, wobei die Bayern den Schiedsrichter zur Unterstützung benötigten, was die Frankfurter nicht brauchten. Die Ergebnisse von 1:2 bzw. 0:5 sind nicht vergleichbar, aber durchaus die Leistung der Unterlegenen. Kämpferischer Einsatz, Laufbereitschaft und der Versuch, sich möglichst gut aus der Schlinge zu ziehen, waren reichlich vorhanden und wurden von den Zuschauern auch anerkannt.

Paula Balzer

Brauweilers Paula Balzer

Doch genug der Vergleiche. Das Spiel in Pulheim, über das es zu berichten gilt, fand bei herrlichem Herbstwetter vor einer angemessenen Zuschauerzahl statt. Die Gastgeberinnen mussten auf die verletzte Sonja Fuss verzichten, waren aber gut auf ihren Gegner eingestellt und wehrten sich in der verstärkten Defensive nach besten Kräften. Die Frankfurterinnen begannen zugleich mit starkem Angriffsspiel und schnürten die Grün-Weißen regelrecht in deren Hälfte ein. Mit ihrer gut postierten Abwehr und einer sehr guten Barbara Legrand zwischen den Pfosten konnten diese aber fast eine halbe Stunde lang das torlose Unentschieden halten.

Brauweiler selbst kam in dieser Zeit zu anderthalb Chancen - ein Weitschussversuch von Mariana Ciorba, der die weit vor ihrem Tor postierte Ursula Holl im Frankfurter Tor mit Hilfe von Wind und Sonne hätte überraschen sollen. Ein cleverer Versuch, mehr nicht. Und in der 26. Minute ein Schuss gegen


Renate Lingor

Gut gefüllter Strafraum in Erwartung des Eckballs von Renate Lingor

den Frankfurter Torpfosten, der seinen Weg entlang der Torlinie leider nicht ins Netz fand. Den Zuschauern gefielen diese Versuche, kamen die Brauweilerinnen sonst doch kaum über die Mittellinie hinaus, und wenn dies doch gelang, standen Ciorba und Augustin schnell auf verlorenem Posten gegen die starken Gäste-Abwehrspielerinnen.

In der 27. Minute fiel dann doch der Führungstreffer für Frankfurt, obwohl eigentlich aus der Situation heraus etwas überraschend. Vorher waren mehrere hochkarätige Chancen nicht genutzt oder durch Legrand abgewehrt worden, jetzt traf Pia Wunderlich durch Freund und Feind hindurch mit einem flachen „Bällchen“. Zehn Minuten später hieß es nach einem Pfostenschuss von Birgit Prinz, der nur noch eingedrückt wurde, 0:2. Der Platzsprecher nannte Renate Lingor als Schützin, wir erkannten von unserer Seite her die Nummer Sieben, also wiederum Pia Wunderlich. Wie dem auch sei, das Spiel blieb einseitig in der Hälfte der Brauweilerinnen, ohne dass der Meister jedoch noch zu weiteren Chancen kam.

Nach der Halbzeitpause setzte sich im wesentlichen fort, was die erste Hälfte gezeigt hatte. Frankfurt drängte mit Powerplay und die Gastgeberinnen wehrten sich mit viel Kampfgeist und Einsatz. Gorges, Balzer, Kasperczyk und Co. rannten, grätschten, stellten sich den anstürmenden Prinz, Garefrekes und Lingor entgegen und versuchten auch ihrerseits, ihren Ein-Frau-Sturm Ciorba, die von Augustin regelmäßig unterstützt wurde, auf die Reise zu schicken. Es ergaben sich jedoch keine wirklichen Chancen mehr.

Spielszene

Sandra Smisek am Ball, umringt von "Freund und Feind"

Anders der Meister. In der 63. Minute schoss Louise Hansen zum dritten Treffer ein, und wenn das Spiel dank der drückenden Überlegenheit von Frankfurt längst entschieden war, so ging es jetzt doch noch um Schadensbegrenzung - vielleicht wird am Ende der Saison in der Abstiegsfrage auch das Torverhältnis wichtig. Doch weder die Einwechslungen von Koch und Ziegler noch die jetzt etwas häufigeren Angriffsversuche Brauweilers brachten eine


Änderung. Im Gegenteil: In der 83. Minute erhielt Frankfurt einen Elfmeter, über dessen Berechtigung man zumindest nachdenken könnte. Birgit Prinz verwandelte ihn mit der gewohnten Präzision und Härte. Zwei Minuten später war es die wieder sehr eifrige Kerstin Garefrekes, die mit dem schönsten Treffer des Spiels den Endstand von 5:0 herstellte.

Louise Hansen

Nach langer Zeit reihte sich Louise Hansen mal wieder in die Liste der Torschützinnen ein

Foto: Nora Kruse

Es war das erwartete, um ein oder zwei Tore zu hohe Ergebnis eines recht einseitigen Spiels, das der FFC Brauweiler schnell abhaken sollte, um sich auf die kommenden Aufgaben zu konzentrieren, bei denen es um wichtige Punkte gegen den Abstieg gehen wird. Mit dem gezeigten Einsatz sollten schon noch einige Punkte zu holen sein!

Aufstellungen

FFC Brauweiler Pulheim:
Legrand - Bisby (70. Ziegler), Kasperczyk, Gorges, Sims, Seuren - Augustin, Balzer, Marx (62. Renner), Fehrenbach (62. Koch) - Ciorba

1. FFC Frankfurt:
Holl - Kliehm, Tina Wunderlich, Jones, Affeld (57. Bartusiak) - Garefrekes, Hansen, Lingor, Pia Wunderlich - Smisek (76. Weber), Prinz

Tore:
0:1 Pia Wunderlich (27.)
0:2 Pia Wunderlich (37.)
0:3 Hansen (64.)
0:4 Prinz (83.)
0:5 Garefrekes (85.)

Gelb: Balzer, Ziegler, Sims

Schiedsrichterin: Anja Kunick (Lissa)

Zuschauer: 410


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