1. Bundesliga, 1. Spieltag

Auf den Boden der Tatsachen geholt

FFC Brauweiler Pulheim - SG Essen-Schönebeck 1:4 (1:3)

Von Heinz Günter Sporkel

14.08.2005

Feiertag für Pulheim. Endlich wieder Erstliga-Alltag für die Damen aus Brauweiler. Ein Jahr lang hatte es gedauert und der Wiederaufstieg wurde perfekt gemacht. Die Aufstiegseuphorie wollte man gleich ins erste Bundesligaspiel mitnehmen. Als erster musste die SG Essen Schönebeck ihre Visitenkarte in Pulheim abgeben. Für die Fans von Brauweiler hieß es, drei Heimpunkte sollten eingefahren werden - die ersten Punkte im Abstiegskampf. Doch am Ende kam alles ganz anders.

Gespielt wurde aufgrund der Erstliga-Untauglichkeit des Abtei-Sportparkes im Sportzentrum Pulheim, wo von nun an alle Heimspiele der Grün-Weißen ausgetragen werden. Eine Tribüne ist auch dort noch nicht vorhanden – schade bei diesem Wetter, denn es verirrten sich nur um die 200 Zuschauer ins Stadion, davon auch viele Schlachtenbummler aus Essen.
Auch Schönebeck war auf das erste Auftreten des Teams gespannt. Wie würde das Spiel mit Neuzugang Stefanie Weichelt oder Rückkehrerin Stephanie Ducke wohl aussehen?

Pünktlich zum Anpfiff begann es dann auch leider aus allen Eimern zu Regnen. Zugleich startete auch die Schönebecker Angriffswelle. Allen voran Barbara Müller und Melanie Hoffmann sortierten und lenkten das Spiel der Schönebecks. Müller, die letzte Saison noch ständig kritisiert wurde, zeigt schon seit Wochen sehr gute Leistungen, die sie auch heute wieder bestätigte. Auf der anderen Seite lenkte Sonja Fuss das Spiel der Brauweilerinnen. Die aus Potsdam zurückgekehrte Spielerin ist endlich wieder „zu Hause“. Fuss war das gesamte Spiel immer brandgefährlich. Allerdings war sie heute auch einer der wenigen Lichtblicke im Brauweiler Spiel.
In der ersten Minute hatte Jennifer Balkenhol nach einem Hoffmann-Freistoss das 1:0 auf dem Fuß. Sieben Minuten später knallte Sonja Fuss einen Freistoss aufs Tor von Steffi Löhr, doch Essens Nummer Eins war zur Stelle. Zwei Minuten später ein langer Ball in den Rücken der Brauweiler Abwehr. Die Abwehrspielerinnen verschätzten sich mächtig und Jennifer Balkenhol nahm den Ball mit und schob ins Tor ein.

Susanne Kaspercyzk ließ die Brauweiler Fans mit ihrem zwischenzeitlichen Ausgleich noch einmal hoffen.

Archivbild: Nora Kruse

Nach dem Führungstreffer startete Schönebeck einen wahren Offensivwall, die Chancen konnten jedoch nicht konsequent genutzt werden. So waren es stattdessen die Brauweilerinnen, die zum Torerfolg kamen. Ein Freistoß von Fuss erreichte Susanne Kasperczyk, die souverän den Ausgleich markierte. Ein Tor aus dem Nichts.

Nach einer halben Stunde leitete Mirja Kothe den Angriff ein, der die erneute Führung brachte.


Brauweiler im Vorwärtsmarsch - ein seltener Anblick am heutigen Tag.

Foto: Heinz Günter Sporkel

Essens Spielmacherin Melanie Hoffmann freut sich über ihren Führungstreffer.

Foto: Heinz Günter Sporkel

Sie ließt Eva Augustin stehen, ihr Schuss wurde zunächst noch von Brauweilers Britta Trescher pariert, den Nachschuss konnte Melanie Hoffmann jedoch verwandeln.

Danach wieder Belagerungszustände vor dem Brauweiler Tor. Immer wieder Angriffe, die aber nichts Zählbares einbrachten. In der 42. Spielminute spielte dann Barbara Müller Weichelt frei. Der Neuzugang vom FFC Frankfurt schob den Ball an Trescher zum 3:1 in den Kasten. Brauweilers Neuzugang aus Oberaußem, Stürmerin Alexandra Muresan, hatte kurz vor der Pause dann noch die große Chance zum Anschlusstreffer; frei vor Torfrau Steffi Löhr schoss sie den Ball dieser jedoch in die Arme.

Zur Pause 3:1 für Schönebeck – eine Führung, die auch in dieser Höhe gerechtfertigt war. Brauweiler war die Nervosität anzumerken. Der Aufsteiger fand nicht zum Spiel. Essen war souverän und abgeklärter. Nur die Chancenauswertung war relativ mager.

In der zweiten Halbzeit wieder das gewohnte Bild: Schönebeck im Vorwärtsgang und Brauweiler voll mit der Verteidigung beschäftigt - Fuss und Kasperczyk hatten in der Defensive alle Hände voll zu tun.
In der 54.Spielminute wechselte dann Ralf Agolli Charline Hartmann für Ducke ein. Hartmann zeigte sofort ihr Können - immerhin will die U21-Nationalspielerin in die Stammformation zurückkehren.
Dann aber die 71. Spielminute. Moiken Jung pfiff Foulspiel. Fuss wollte sich den Ball zum Freistoss hinlegen, doch die Schiedsrichterin zeigte auf dem Elfmeterpunkt. Verwunderlich für die Zuschauer und selbst für Willi Küpper, den Brauweiler Coach. Doch Mariana Ciorba nahm dieses Geschenk nicht an und knallte den Ball links an Löhrs Gehäuse vorbei.


Danach flachte das Spiel von Brauweiler nun ganz ab. Hartmann konnte dann noch zum 4:1-Endstand in der 80. Spielminute treffen.

Essen gewann verdient in Brauweiler, wo Mannschaft und Trainer noch viel Arbeit vor sich haben.

Foto: Heinz Günter Sporkel

Willi Küpper (hockend) und Ralf Agolli zum heutigen Spiel:

Küpper:
"Wir haben Schönebeck die Tore geschenkt. Drei Tore waren individuelle Fehler. Die Mannschaft muss erkennen, dass der Wischiwaschi-Fußball vorbei ist. Wir haben 1:4 verloren, das Spiel ist misslungen und wir haben noch viel Arbeit vor dem Hamburg-Spiel vor uns. Unser Ziel für die Saison sollte Platz 9 bis 10 sein."

Agolli:
"Ich war mit der zweiten Halbzeit nicht zufrieden. Der Sieg geht in Ordnung, doch man hätte mehr Tore machen können. Ich freue mich jetzt auf das Potsdam-Spiel nächsten Sonntag. Ziel ist es, einen großen zu ärgern und wir werden das Spiel nicht herschenken."

Aufstellungen

Brauweiler:
Trescher, Balzer (54. Koch), Kasperczyk, Muresan (67. Fehrenbach), Ciorba, Fuss, Borchert, Sims, Ziegler, Gorges, Augustin (69. Marx)

Essen
Löhr, Chojnacki, Schubert, Duhme, Balkenhol (63. Deilmann), Ducke (54. Hartmann), Hoffmann, Gäggeler, Weichelt (81. Bolle), Müller, Kothe

Schiedsrichterin: Moiken Jung (Worms)

Tore:
0:1 Balkenhol (9.)
1:1 Kasperczyk (18.)
1:2 Hoffmann (30.)
1:3 Weichelt (42.)
1:4 Hartmann (80.)

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