| Text von Steffen Langbein, Bilder von Jan Kuppert
24.04.2012 Nach der derben 1:5-Hinspielniederlage in der Wasserschlacht von Lyon beim Hinspiel waren die
Chancen von Turbine auf eine neuerliche Endspielteilnahme, realistisch gesehen, praktisch fast Null. Trotzdem gaben sich die Turbine-Spielerinnen im Vorfeld kämpferisch, das
Unmögliche doch noch zu schaffen. Auch die Turbine-Fans gaben von Beginn an alles und unterstützten ihr Team lautstark.
Eine der vielen guten Chancen für Turbine Potsdam: Isabel
Kerschowski hämmert in der 54. Minute einen Freistoß an der Mauer vorbei ans Aluminum
Das Spiel begann allerdings mit einer dicken Chance für Lyons Elodie Thomis, die ziemlich frei zum Schuss kam, der aber übers Turbine-Gehäuse ging (1.). Der CL-Titelverteidiger
fand zunächst besser ins Spiel. Nach Kopfball-Chance der groß gewachsenen Wendie Renard übernahmen dann aber die Gastgeberinnen vor beachtlichen 3.870 Zuschauern die Initiative.
Patricia Hanebeck zwang Frankreichs Nationalkeeperin Sarah Bouhaddi zur ersten Parade (9.). Die bedingungslose Potsdamer Offensive barg naturgemäß auch Risiken, die vor allem die
schnelle Thomis zu Torchancen nutzte (13.). Im Gegenzug war aber schon wieder Turbine gefährlich vor dem Lyon-Tor, Yuki Nagasatos Schuss wurde abgeblockt. Eine scharfe Eingabe von
Jennifer Zietz bugsierte Renard in letzter Not knapp übers eigene Gehäuse (14.). Viola Odebrecht versuchte es mal aus der Ferne, aber drüber (18.), auch Jennifer Cramers Schuss von
der Strafraumgrenze fand nicht den Weg ins Tor, sondern in Sarah Bouhaddis Arme (19.). Die erste Turbine-Angriffswelle war damit vorüber – leider ohne den erhofften frühen
Torerfolg.
Lyonnais störte in dieser Phase erfolgreich das Aufbauspiel der Gastgeberinnen und kam nun auch wieder zu eigenen Chancen. Zunächst musste Alyssa Naeher gegen Eugenie Le Sommer
klären (28.), dann tauchte schon wieder Thomis allein vor Potsdams Keeperin auf, die abermals stark parierte (32.). Die schwedische Top-Stürmerin Lotta Schelin, von der sonst wenig
zu sehen war, passte auf Camille Abily, die aber aus 20 Metern knapp verzog (37.). Nach Patricia Hanebecks Zuspiel kam für Turbine Jennifer Cramer in aussichtsreicher Position zum
Schuss, war aber wohl abseits (41.). Ein Schmankerl hatte Thomis vor der Pause noch zu bieten, als sie an der rechten Außenbahn zwei Turbine-Verteidigerinnen mit einem fulminanten
Antritt stehen ließ und damit für ein Raunen auf den Rängen sorgte (45.). Es blieb aber zur Pause beim 0:0.
Mit Beginn der zweiten Hälfte hatte Potsdams Trainer Bernd Schröder mit den Einwechselungen von Genoveva Anonma und Antonia Göransson seine Offensivkraft nochmals personell
verstärkt. Dies war auch gleich zu sehen und zwar in Person von Anonma, die nach Isabel Kerschowskis Schuss, der hängenblieb, nachsetzte, aber Corine Franco klärte auf der Linie
(48.). Thomis holte sich beim Foul an der flinken Göransson ihre erste gelbe Karte ab. Den Freistoß aus guter Position kurz vor der Strafraumgrenze hämmerte Isabel Kerschowski
ans Aluminium (54.). Auch Lyon blieb gefährlich, Naeher war beim Fernschuss von Shirley Cruz Trana auf dem Posten (58.). Nach einer Stunde waren die Gäste dann allerdings ihre bis
dato gefährlichste Angreiferin los – die bereits gelbverwarnte Elodie Thomis sah nach Foul an Odebrecht verdient Gelb-Rot und ist damit auch für das Finale gesperrt!
Turbine, nun mit einer Frau mehr, berannte weiter das Gästetor und hatte Chancen – aber auch immer weniger Zeit. Zietz übers Tor (62.), Anonma aus der Drehung(67.) und die
kampfstarke Kerschowski (72.) in die Arme von Torhüterin Bouhaddi – der Ball wollte einfach nicht ins Tor. Auch nicht, als Patricia Hanebeck nach Zietz-Flanke abzog, aber
Sonia Bombastor den Ball von der Linie kratzte (75.), und Göranssons 20-Meter-Versuch knapp vorbei zischte (78.). Lyon sorgte mal wieder für Entlastung, tauchte mit Cruz Trana und
Rosana gefährlich vorn auf – Naeher und Alex Singer klärten mit vereinten Kräften (80.). Yuki Nagasato traf artistisch auf der Gegenseite noch mal die Latte (82.). Die
Flanken der Japanerin, übrigens unter den Augen ihres Nationaltrainers Norio Sasaki, und von Göransson brachten auch nichts Zählbares mehr in der Endphase.
Die Zuschauer auf der Tribüne standen schon Minuten vor dem Schlusspfiff auf, klatschten und sangen „Steht auf, wenn ihr Turbinen seid...” - die Fans waren zufrieden
mit dem Einsatz und dem Spiel, das Turbine heute gezeigt hat. Es blieb beim ereignisreichen torlosen Unentschieden.
Potsdam hätte heute den Sieg verdient gehabt, hat sich mit starker Leistung für die Hinspielklatsche rehabilitiert, aber nach zwei Finalteilnahmen diesmal das CL-Endspiel verpasst.
Unterm Strich der zwei Halbfinalspiele zog natürlich mit Olympique Lyon das bessere Team in das Finale gegen den 1. FFC Frankfurt am 17. Mai im Münchener Olympiastadion ein.
Trainerstimmen:
Patrice Lair: „Ich möchte mich beim Publikum bedanken, wir wurden schon beim Aufwärmen freundlich mir Beifall empfangen, eine sehr nette und freundliche Geste, wir kennen das
auch anders. Danke auch für die tolle Stimmung im Stadion, das zeigt auch die gute Entwicklung des Frauenfußballs in Deutschland, davor habe ich großen Respekt. Es war ein gutes
Spiel mit vielen Gelegenheiten für beide. Potsdam hätte heute auch gewinnen können. Aber im Grunde war das Gesamtergebnis schon nach dem Hinspiel entschieden.” Zum
Platzverweis an Thomis befragt: „Es war ein Foul und die Entscheidung der Schiedsrichterin, das ist zu akzeptieren. Thomis wird zwar fehlen, aber wir haben einen starken
Kader.”
Bernd Schröder: „Es ist klar, wir haben das Ganze dort verloren. Wenn wir hier ganz groß aufspielen und in der ersten Halbzeit in Führung gehen können, dann, denke ich, ist
noch alles möglich. Man muss aber auch Glück haben, das hatten wir aber nicht. Wir hätten heute aber gewinnen müssen, wir waren präsent, insbesondere in der 2. Halbzeit, wo wir mit
drei Stürmerinnen gespielt haben. Wir sind aber nicht gegen irgend jemand rausgeflogen, sondern gegen eine ganz ausgebuffte, routinierte Mannschaft, die in Europa führend ist. Lyon
hat etwa in der gleichen Besetzung wie vor zwei Jahren in Getafe gespielt, wir nicht. Aber wie wir uns heute verkauft haben, das sehe ich positiv. Ich wünsche alles Gute für das
Finale in München.”
1. FFC Turbine Potsdam: Naeher - Singer, Peter, Schmidt, Zietz ,Draws (ab 46. Göransson), Odebrecht, Hanebeck, Cramer (ab 46. Anonma), I. Kerschowski, Nagasato
Olympique Lyonnais:
Bouhaddi - Franco, Viguier (ab 27. Georges), Renard, Bompastor, Le Sommer (ab 46. Dickenmann), Cruz Trana, Henry, Abily, Schelin (ab 68. Rosana), Thomis
Tore:
keine
Gelbe Karten:Peter / Thomis, Abily,
Gelb-Rote Karte:Thomis (60.), wiederholtes Foulspiel
Schiedsrichterin: Christina Westrum Pedersen mit Hege Steinlund und Monica Lokkeberg sowie Marte Soro (4.Off.) - alle Norwegen
Zuschauer: 3870
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