. . . .

FanSoccer

Das Frauenfußball-Magazin



Champions League, Sechzehntelfinale, Rückspiel

Verdientes Weiterkommen

1. FFC Frankfurt - Stabaek Fotball 4:1 (2:0)

Text und Bilder von Tom Schlimme

06.10.2011  Wie im Hinspiel in Stabaek war der 1. FFC Frankfurt auch beim Rückspiel in Frankfurt gegen den norwegischen Meister über 90 Minuten die überlegene Mannschaft. Doch diesmal stimmte die Chancenauswertung, so dass mit einem 4:1 die unglückliche 0:1-Niederlage aus dem Hinspiel vergessen gemacht werden konnte. In der Summe beider Spiele und bei Betrachtung der gezeigten Leistungen ist das Weiterkommen des deutschen Vizemeisters hochverdient, doch es war fast bis zuletzt spannend und hätte leicht auch schief gehen können!

Tor Saskia Bartusiak

Ganz wichtiges Tor: schon in der sechsten Minute brachte Saskia Bartusiak (Nr. 25) ihr Bein in einen scharf hereingebrachten Freistoß und erzielte die Frankfurter Führung

Frankfurts Trainer Sven Kahlert hatte gegenüber dem Hinspiel einiges umgestellt und dabei ein glückliches Händchen erwiesen. Meike Weber ackerte diesmal im zentralen Mittelfeld, wo das kleine Laufwunder eine Bombenpartie hinlegte und viel zum Erfolg beitrug. Für Weber rückte Sara Thunebro auf die linke Abwehrposition und machte ebenfalls ein gutes Spiel, ließ hinten auf ihrer Seite wenig anbrennen und brachte viele Flanken und Fernschüsse in die Offensive ein. Aus dem Mittelfeld nach vorne rückte Sandra Smisek. „Auch wenn ich die letzten 6 Jahre im defensiven Mittelfeld gespielt habe, war ich doch vorher 14 Jahre lang Stürmerin, und das verlernt man nicht”, kommentierte Smisek hinterher, nachdem sie gezeigt hatte, was Erfahrung und Talent wert sein kann. Denn die 34-jährige war ein ständiger Gefahrenherd für Stabaeks Abwehr, und die Art wie sie in der 37. Minute eine Flanke von Kerstin Garefrekes volley zum 2:0 verwertete, war einfach genau die Mischung aus Coolness und Können, die Frankfurt vorher schon in einigen Spielen gefehlt hatte. Doch bis dahin war schon einiges passiert!



Nach druckvollem Beginn war Frankfurt schon in der sechsten Minute in Führung gegangen. Lise Klaveness hatte Melanie Behringer seitlich am Strafraum fest gehalten, Behringer brachte den Freistoß selbst scharf aufs Tor, die aufgerückte Innenverteidigerin Saskia Bartusiak brachte ihr Bein dazwischen und lenkte den Ball gekonnt ins gegnerische Netz ab. Dieses frühe Tor war natürlich ganz wichtig für das Nervenkostüm der Frankfurterinnen, die weiter nach vorne stürmten, allerdings im Mittelfeld oft recht weit aufrückten und damit ständig die Gefahr in Kauf nahmen, in Konter zu laufen. Ein Steilpass landete dann auch bei der extrem schnellen Kristy Moore, die ging alleine aufs Tor, spielte Nadine Angerer aus, wobei sie sich aber den Ball zu weit vorlegte. Dies dürfte der Grund gewesen sein, wieso Angerer überhaupt weiter spielen durfte, denn die Frankfurter Nationalkeeperin streckte sich nach dem Ball, erwischte aber den Fuß von Moore. So etwas wurde schon oft als Notbremse gewertet und mit Platzverweis geahndet! Die schwedische Schiedsrichterinn Jenny Palmqvist gab Elfmeter, aber keine Karte für Angerer. Das war schon Glück für Frankfurt, doch es sollte noch besser kommen: die dänische Rekordnationalspielerin in den Reihen von Stabaek, Katrine Pedersen, trat mit all der Routine ihrer 177 Länderspiele an - und scheiterte mit einem halbhohen Schuss ins linke Eck an der stark reagierenden Angerer!

So konnte der FFC dann also schließlich mit einer 2:0-Führung in die Pause gehen, die mit Glück, Können und Einsatz erkämpft war, und die zum Weiterkommen gereicht hätte. Doch im Stadion dürften es fast alle geahnt haben und auch Trainer Sven Kahlert formulierte es hinterher in der Pressekonferenz: „uns war klar, dass Stabaek ein Tor schießen würde, und so wußten wir, dass wir selbst weitere Tore schießen mussten”! Schon in der ersten Halbzeit waren die Konter von Stabaek brandgefährlich gewesen und in der zweiten Hälfte, als Stabaek ganz langsam immer offensiver wurde, wurde es noch brenzliger. So versuchten die Frankfurter Spielerinnen gar nicht erst, den knappen Vorsprung zu halten (aufgrund der Auswärtstorregel wäre Frankfurt bei einem Sieg mit nur einem Tor Unterschied ausgeschieden gewesen), sondern kämpften um das dritte Tor. Zahlreiche Schüsse von der Strafraumgrenze von Behringer, Thunebro, Bajramaj gingen aber über die Latte. Eine Riesenchance in der 52. Minute brachte auch nichts ein: nah am Tor kamen mehrere Frankfurter Spielerinnen nacheinander zum Schuss, wurden aber alle abgeblockt. Aber auch Stabaek vesiebte Hundertprozentige, so schoss Ida Elise Enget aus nächster Nähe über das Tor. Dann ein Steilpass von Pedersen auf Moore, die war einfach nicht zu halten, doch Angerer hielt mit einer weiteren Glanztat den Frankfurter Vorsprung fest.


Teilweise stürmte Stabaek jetzt mit vier Spielerinnen in einer Linie vorne, das Spiel stand auf des Messers Schneide, beiden Sturmreihen boten sich große Räume. 69. Minute, Jessica Landström wurde abgeblockt, den fälligen Eckstoß gab Behringer mit Wucht herein, Stabaeks norwegische Nationalkeeperin Ingrid Hjelmseth griff daneben, doch folgenlos. Hjelmseth musste zweimal in der zweiten Halbzeit wegen einer Handverletzung behandelt werden, konnte zwar weiter spielen, dürfte aber gehandicapt gewesen sein. In der 75. Minute landete wehrte Thunebro unglücklich mit dem Kopf zu einer einwerfenden Norwegerin zurück ab, die passte nach innen, gefährliche Kopfballgelegenheit für Cathrine Dekkerhus, doch zum Frankfurter Glück über das Tor. Wer jetzt das nächste Tor schießen würde, hätte einen entscheidenden Vorteil für die Schlussminuten! Und dieses Tor fiel dann auch in der 78. Minute, und zwar für Frankfurt. Hjelmseth griff bei einem hohen Ball von rechts nicht richtig zu, hinter ihr stand Landström, wollte eigentlich köpfen, der Ball war aber von Hjelmseth so abgelenkt worden, dass er Landström nur auf den Körper fiel, und die paar Zentimeter über die Torlinie kullerte das Leder dann, ohne dass Landström viel dazu beigetragen hatte - außer im richtigen Moment an der richtigen Stelle gewesen zu sein! Jetzt hätte alles klar sein können, doch Frankfurt hielt den Vorsprung nicht lange. Schon zwei Minuten später wurde Bajramaj gefoult, Palmqvist, die wie von ihr in vielen Spielen vorher gewohnt, viel durchgehen ließ, entschied aber auf Weiterspielen, der schnelle Steilpass landete bei Moore, die ließ Saki Kumagai im Laufduell ebenso wenig eine Chance wie Sekunden später Keeperin Angerer und verkürzte zum 3:1. Damit war die Spannung wieder da: Ein weiteres Tor für Stabaek, und die Norwegerinnen wären weiter gewesen! Auch jetzt, 10 Minuten vor Schluss, spielte Frankfurt nicht auf Halten des knappen Vorsprungs, und wurde schließlich auch belohnt. In der 90. Minute eroberte Sandra Smisek einen Ball von einer Abwehrspielerin, passte nach rechts zur gerade eingewechselten Ana Maria Crnogorcevic, und die machte 36 Sekunden nach ihrer Einwechselung mit dem 4:1 alles klar. Es gab zwar noch sechseinhalb Minuten Nachspielzeit für die langen Verletzungsunterbrechungen, doch es blieb bei diesem hart erkämpften, mit Glück und Können gewonnenen Ergebnis.

Stimmen zum Spiel:

Stabaeks Trainer Roger Finjord: Gratulation an Frankfurt. Ich hoffe, im nächsten Jahr sagen zu können, dass wir gegen den Champion ausgeschieden sind. Bei uns waren fünf Nationalspielerinnen verletzt, doch wir hatten unsere Chancen, wir hatten den Elfmeter und andere gute Gelegenheiten. Frankfurt wäre nervös geworden, wenn wir früh ein Tor erzielt hätten, doch wir haben diese Chancen nicht genutzt, Frankfurt hat ein gutes Spiel gemacht und verdient gewonnen.

Franfurts Trainer Sven Kahlert: Ich kann meiner Mannschaft ein Riesenkompliment machen. Sie hat heute endlich ihre Chancen genutzt, wenn auch natürlich nicht alle. Natze hat uns bei dem Elfmeter im Spiel gehalten. Es war eine Klasseleistung, und morgen bekommen die Spielerinnen frei, damit sie sich etwas erholen können, das haben sie sich verdient!

Caroline Graham Hansen Tor Kristy Moore Sandra Smisek



1. FFC Frankfurt:
Angerer - Krieger, Kumagai, Bartusiak, Thunebro (81. Lewandowski) - Weber, Behringer - Garefrekes, Landström (89. Crnogorcevic) - Bajramaj (90+4. Huth) - Smisek

Stabaek Fotball:
Hjelmseth - Hauge, Nordeide Grønli, Akerhaugen, Bakke - Pedersen, Dekkerhus(81. Adserø 86. Skaug) - Graham Hansen, Klaveness, Enget - Moore

Tore:
1:0 Bartusiak (5.)
2:0 Smisek (37.)
3:0 Landström (77.)
3:1 Moore (80.)
4:1 Crnogorcevic (90.)

Gelbe Karten: keine

Besondere Vorkomnisse: Angerer hält Foulelfmeter von Pedersen

Schiedsrichterin: Jenny Palmqvist (SWE) mit Helen Karo (SWE) und Anna Nyström (SWE)

Zuschauer: 2780



Teilen


zur Champions League

Zur FanSoccer-Startseite