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Hinspiel im Achtelfinale der Champions League

Frankfurt mit großer Leistung gegen Paris

1. FFC Frankfurt - Paris Saint-Germain 3:0 (1:0)

Text von Tom Schlimme, Bilder von Peter Henkel

03.11.2011  Jeder kann nur so gut spielen, wie der Gegner es zulässt. Diese Erfahrung musste der französische Vizemeister und Pokalsieger Paris Saint-Germain im Stadion am Brentanobad beim deutschen Vizemeister und Pokalsieger 1. FFC Frankfurt machen. Waren die Französinnen noch am Wochenende in der Liga beim 0:0 gegen den Champions League Titelverteidiger Olympique Lyonais hoch gelobt worden, gelang ihnen in Deutschland fast nichts mehr. Ein in allen Belangen überlegenes Frankfurter Team erkämpfte sich einen hochverdienten 3:0-Erfolg und hat das Erreichen des Viertelfinales greifbar nah vor Augen.

Vorlage Svenja Huth

Mit diesem Pass bereitete Svenja Huth, die sich gegen Julie Soyer durchgesetzt hatte, das 2:0 vor. Kerstin Garefrekes (nicht im Bild) brauchte nur noch ins leere Tor einzuschieben

Schon in der ersten Minute senkte sich eine Flanke von Lira Bajramaj auf die Latte und zeigte damit auf, dass die Pariser Keeperin Veronique Pons bei hohen Bällen nicht sicher war. Fast wäre Kerstin Garefrkes am Fünfmeteerraum an den Abpraller gekommen, doch sie wurde in höchster Not noch abgeblockt, sonst hätte es gleich 1:0 gestanden. In der fünften Minute traf dann Melanie Behringer an die Latte, diesmal mit einem Fernschuss. Wieder hatte Bajramaj den Angriff eingeleitet, Alexandra Krieger hatte dann die Flanke zu Behringer herein gegeben. Nur zwei Minuten später knallte der Ball dann schon wieder ans Aluminium, diesmal war es eine Französin, die den Ball vor Garefrekes wegschlagen wollte und dabei den eigenen Pfosten traf. So war es hochverdient, dass der Ball dann in der zehnten Minute endlich wirklich die Torlinie überschritt, in dieser Situation allerdings glücklich für Frankfurt, denn Lira Bajramaj schlug im Zweikampf mit einer Abwehrspielerin nah an der Torauslinie einen Ball nach innen - das kann eigentlich nur als Flanke gedacht gewesen sein - und die Kugel senkte sich über die verdutzte Pons hinweg ins lange Eck. Die Angriffe der Frankfurterinnen blieben schön anzusehen, Bajramaj mit schneller Balleroberung stürmte sofort zentral los, sah Dzsenifer Marozsan, doch dieser aussichtsreiche Angriff wurde wegen Abseits abgepfiffen. Doch nachdem diese erste Viertelstunde absolut einseitig gewesen war, änderte Gästetrainer Camillo Vaz die Taktik seines Teams etwas, ließ seine Spielerinnen weiter nach vorne rücken, und diese wurden prompt etwas stärker, auch wenn deren Chancen bei weitem nicht die Qualität der Frankfurter Gelegenheiten erreichten. So war in der 16. Minute Nadine Angerer aufmerksam und schnell genug aus ihrem Kasten, um einen Ball sicher vor der Pariser Spitze Ella Mazar zu erreichen, und eine Minute später bekam Mazar im Zweikampf mit Saki Kumagai nur einen Kullerball als Schuss zustande. Die gefährlichste Szene vor dem Frankfurter Tor kam durch einen Freistoß von Elise Bussaglia zustande, der diagonal halbhoch durch den Strafraum strich. Fast wäre Sabrina Delannoy heran gekommen, doch sie verfehlte den Ball dann doch.



Beim FFC schlichen sich jetzt zu viele Fehlpässe ins Spiel ein, um den hohen Druck der Anfangsphase in dieser Stärke aufrecht halten zu können. Aber selbst in dieser "schlechteren" Phase des Spiels war Frankfurt deutlich überlegen. Melanie Behringer ganz stark mit vielen Ballerboberungen, Lira Bajramaj mit einer engen Ballführung und Dribblings zum Zungeschnalzen, auch wenn das Abspiel öfter mal früher kommen sollte, sehr interessant und aussichtsreich auch die taktische Variante von Trainer Sven Kahlert, Dzsenifer Marozsan und Sandra Smisek ihre Positionen im zentralen Mittelfeld und in der Spitze immer wieder tauschen zu lassen. Die Frankfurter Viererkette einfach nur eine fußballerische Augenweide, Alexandra Krieger, Saskia Bartusiak, Saki Kumagai und Meike Weber lieferten eine absolut fehlerfreie Partie ab und ließen den immerhin mit vier WM-Teilnehmerinnen angetretenen Französinnen kaum Raum. Vor allem Krieger fand dazu noch die Zeit, sich ins Angriffsspiel einzuschalten. Ein weiterer Fernschuss von Behringer strich dann nach einer halben Stunde neben das Tor. Die Partie litt nun etwas unter zunehmender Ruppigkeit, bei der Pressekonferenz hinterher fiel das Wort von der "internationalen Härte", die in der Bundesliga so nicht üblich sei. Jedenfalls ließ die englische Schiedsrichterin Alexandra Ihringova vor allem den Französinnen einiges durchgehen, und brachte das Frankfurter Publikum mit einigen seltsamen Entscheidungen gegen sich auf. In der 37. Minute endete dann ein viertes Mal ein Frankfurter Angriff am Aluminium des Pariser Tores, diesmal war es Alexandra Krieger, die mit einer Flanke die Latte traf. So ging es dann mit einer hochverdienten, angesichts der Chancen eher zu mageren, 1:0-Führung für Frankfurt in die Kabinen.

Beide Teams kamen unverändert aus der Pause, und wieder begann Frankfurt furios. Svenja Huth, stark von Sandra Smisek angespielt, sprintete diagonal durch den Strafraum auf die linke Seite, kam trotz Bedrängnis zu einer scharfen Hereingabe nach innen, Kerstin Garefrekes stand frei vor dem Tor und hatte aus kurzer Entfernung keine Mühe, das 2:0 zu erzielen. Und der FFC drückte weiter. Nach einer Freistoßvariante kam Behringer zum Schuss, doch flach knapp am Tor vorbei. Doch in der 55. Minute krönte Behringer ihre starke Leistung an diesem Tage mit dem Tor zum 3:0. Nach einem Eckstoß wurde ihr erster Schuss noch abgewehrt, doch der Ball war noch heiß, kam zu ihr zurück, und Behringer zog ein zweites Mal mit voller Wucht ab. Jessica Houara kam zwar auf der Linie stehend noch an den Ball, konnte den harten Schuss aber nur noch ins eigene Netz ablenken. Frankfurt blieb mit der Führung im Rücken überlegen, ohne in der Abwehr ins Wackeln zu kommen. Nadine Angerer verlebte einen ruhigen Nachmittag im Frankfurter Tor.


Negativ fiel nur noch Schiedsrichterin Ihringova auf, die folgenden Szenen sehe ich durch die Fernsehaufnahmen als belegt an: in der 76. Minute leistete sich Julie Soyer einen brutalen Kopfstoß gegen Huth, wurde aber nicht mal ermahnt, geschweige denn mit gelb verwarnt. In der 90. übersah die Schiedsrichterin ein krasses Handspiel einer Französin vor dem Strafraum, in der Nachspielzeit ahndete sie ein übles Nachtreten der französischen Kapitänin Sabrina Delannoy gegen Ana-Maria Crnogorcevic nicht, und eine Minute später pfiff sie nach einem klaren Festhalten von Laure Lepailleur gegen Crnocorcevic Foul für Paris!

Svenja Huth Strafraumszene Paris Saint-Germain



1. FFC Frankfurt:
Angerer - Krieger, Bartusiak, Kumagai, Weber (90+3. Lewandowski) - Behringer, Marozsan - Garefrekes, Smisek(66. Crnogorcevic), Huth - Bajramaj

Paris Saint-Germain:
Pons - Soyer, Lepailleur, Delannoy, Boulleau (56. Dali) - Poulain, Debonne - Houara, Pizzala, Bussaglia (79. Coton-Pelagie) - Masar (62. Prevost)

Tore:
1:0 Bajramaj (10.)
2:0 Garefrekes (48.)
3:0 Behringer (55.)

Gelbe Karten: - / Bussaglia

Schiedsrichterin: Alexandra Ihringova (England) mit Natalie Aspinall (ENG) und Sian Massey (ENG)

Zuschauer: 2610



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