| Text von Tom Schlimme, Bilder von Peter Henkel
22.03.2012 3.310 Zuschauer im Stadion und im Schnitt 140.000 bei der Liveübertragung des Hessischen
Rundfunks sahen bei schönstem Frühlingswetter ein ansehnliches Spiel um den Einzug ins Halbfinale der Champions League zwischen dem 1. FFC Frankfurt und dem schwedischen Meister
LDB FC Malmö. Dabei wurde den Zuschauern alles geboten, was der Fußball zu bieten hat: Spannung, Tore, ein gutes Ende für die Heimmannschaft und die Geburt einer neuen Heldin:
Silvana Chojnowski.
Mit diesem Kopfball traf Silvana Chojnowski zum 2:0 für
Frankfurt. Damit brachte die 17-jährige in ihrem ersten Spiel für den FFC ihr Team ins Halbfinale der Champions League!
Dabei schien sich zuerst die Linie des 1. FFC Frankfurt aus den vergangenen Spielen fortzusetzen: bei deutlicher Überlegenheit mangelte es an den ganz klaren Chancen, und die
zahlreich heraus gespielten weniger klaren Gelegenheiten wurden wieder einmal vergeben. Allerdings, Frankfurts Trainer Sven Kahlert konnte diesmal auf die wieder genesenen
Melanie Behringer im Mittelfeld und Lira Bajramaj im Sturm zurück greifen, dafür blieb Saki Kumagai auf der Bank, und diese schon auf dem Papier offensivere Aufstellung zeigte
auch Wirkung. Das Spiel lief bei Frankfurt deutlich besser als zuletzt gegen Hamburg. Malmö kam zwischendurch mal zu einer Chance, als Therese Sjögran Amanda Ilestedt bediente,
doch deren Kopfball ging aus guter Position deutlich am Frankfurter Tor vorbei. Auch andere Teams nutzen nicht alle ihre Chancen!
Weitgehend lief das Spiel in der Anfangsphase aber in Richtung Strafraum Malmö, nach 17 Minuten kam Frankfurt schon zum siebten Eckstoß. Doch Keeperin Thora Helgadottir
hielt souverän einen Kopfball von Kerstin Garefrekes, parierte Schüsse von Sandra Smisek und Dzsenifer Marozsan und hatte dann einfach Glück, als ein wohl als Flanke gedachter Ball
von Garefrekes an ihr vorbei an den Innenpfosten prallte, von dort aber ins Feld zurück sprang.
Nach einer knappen halben Stunde hatten die Gäste aus Schweden dann ihre beste Phase. Frankfurt kam fast nicht mehr zum Strafraum durch, Malmö dagegen hatte einige gute Szenen
vor dem Frankfurter Tor. In der 25. Minute kam ein Pass in die Mitte genau auf die Torschützin im Hinspiel, Sara Björk Gunnarsdottir, doch Gina Lewandowski bekam noch ein Bein in
den Schuss, der Ball prallte ab, blieb heiß, Keeperin Desirée Schumann kam raus, erwischte den Ball aber nicht richtig, Sjögran verpasste knapp, Nachschuss, doch Lewandowski warf
sich erneut in den Schuss und wehrte ab. In der 34. Minute kam dann erneut Gunnarsdottir durchgebrochen zu einem Schuss aus vollem Lauf, doch Schumann, für die immer noch
angeschlagene Nadine Angerer erneut im Kasten, parierte mit Klassereflex. Aber auch auf der Gegenseite gab es nun wieder eine gute Gelegenheit: Nach einem Freistoß kam Svenja Huth
10 Meter vor dem Tor frei zum Schuss, doch ihre Volleyabnahme ging deutlich über das Tor. Aber es war ein Warnsignal für Malmö, der FFC hatte sich nun wieder gefangen und drückte
wieder stärker. In der 41. Minute musste Helgadottir einen wuchtigen Kopfstoß von Garefrekes aus dem Eck fischen. Eine Minute später, die erneut starke Marozsan setzte sich im
Strafraum durch, gute Weitergabe zu Garefrekes, die trat daneben, Smisek kam an den Ball und schoss neben das Tor. Toreschießen doch Kopfsache, das Problem einfach bei den Nerven
der Spielerinnen? Insgesamt war die erste Halbzeit eine ordentliche Vorstellung des 1. FFC Frankfurt gegen einen starken Gegner, doch was wieder einmal fehlte, waren die Tore.
In der zweiten Halbzeit musste Malmö dann ohne Therese Sjögran antreten. Die Nationalspielerin war bereits nach 20 Minuten am Oberschenkel bandagiert worden und konnte nicht
mehr weiter machen, eine deutliche Schwächung seines Teams, wie Malmös Trainer Peter Moberg nach dem Spiel erklären sollte. Doch es ist fraglich, ob Sjögran den starken Druck,
den Frankfurt nun aufbauen konnte, hätte mindern können. Diese zweite Halbzeit war die beste des FFC in jüngerer Zeit, und auch wenn es nicht immer effektiv sein mag, es war eine
Freude, den technisch starken Spielerinnen wie Marozsan, Bajramaj, Huth, Smisek beim Zaubern zuzusehen. Doch die Anspannung im Kopf war zu spüren, vor dem Tor sah es immer noch
nicht überzeugend aus. Huth verpasste den Torschuss, Smisek schoss der Keeperin in die Arme, Lewandowski köpfte neben das Tor - so langsam schien dem FFC die Zeit weg zu
laufen. Kahlert brachte mit Ana-Maria Crnogorcevic eine weitere Stürmerin, nahm dafür die angeschlagene Behringer hinaus. Crnogorcevic kam gleich auch im Strafraum zweimal an
den Ball, beide Male warfen sich aber noch Spielerinnen aus Malmö dazwischen. Doch die individuelle Klasse beim FFC führte schließlich doch noch zum Erfolg: Lira Bajramaj
setzte sich auf dem linken Flügel wunderbar durch, gab nach innen, und Kerstin Garefrekes vollendete mit dem Kopf aus kurzer Entfernung zum 1:0. Damit war das Hinspielergebnis
egalisiert. Wichtiger aber noch, der Knoten im Kopf der Frankfurter Spielerinnen war geplatzt, denn das Team wurde nun minütlich stärker. In der 70. Minute zog Marozsan von
der Strafraumszene aus mit viel Wucht ab, Helgadottir bekam gerade noch die Finger dazwischen und lenkte den Ball an die Latte, dass es durchs Stadion krachte. Doch danach
löste sich Malmö wieder etwas aus der Umklammerung, die Spannung war auf den Hochpunkt. Wer jetzt das Tor machen würde, käme mit großer Wahrscheinlichkeits ins
Halbfinale!
Da geschah etwas Ungewöhnliches: in der 80. Minute wechselte Kahlert erneut, und auf den Platz lief die erst 17-jährige Nachwuchsstürmerin Silvana Chojnowski, erstmals überhaupt
für die erste Mannschaft des FFC. Chojnowski hat eine lange Leidenszeit hinter sich. Die ehemalige U17-Nationalspielerin konnte wegen anhaltender Rückenprobleme ein Jahr lang nicht
spielen, hat diese Probleme jetzt mit einem speziellen Muskelaufbautraining in den Griff bekommen, dreimal für die zweite Mannschaft des FFC Frankfurt gespielt und zuletzt beim
8:0-Erfolg in Löchgau vier Tore geschossen. „Diese jungen Spielerinnen denken noch nicht so viel, die haben den Kopf noch frei und spielen einfach drauf los!”, erklärte
Kahlert hinterher seinen mutigen Schritt. Und so war es auch, Chojnowski wirbelte im Malmöer Strafraum, trickste mit der Hacke, wenn auch ins Leere, kam zu einem Schuss aus der
Drehung neben das Tor. Marozsan zog erneut von der Strafraumszene aus ab, diesmal aber genau auf die Keeperin. Der Frankfurter Druck stieg wieder, Malmö schwamm, bekam den Ball
nicht mehr nach vorne. In der 89. Minute war es dann soweit: Bajramaj brachte den Ball klasse hinter die Abwehr, Flanke auf die andere Seite, Crnogorcevic nach innen, und
Chojnowski köpfte aus kurzer Entfernung in die Maschen. Erstes Tor für die 17-jährige nach neun Minuten im ersten Spiel für den FFC, und dann noch in der Champions League! In der
ersten Minute der Nachspielzeit machte dann Garefrekes mit dem Kopf zum 3:0 alles klar, wobei dieses Tor zum Gutteil Dzsenifer Marozsan angerechnet werden sollte, die am linken
Flügel zwei Gegenspielerinnen ganz alt aussehen ließ und den Ball mustergültig auf den Kopf von Garefrekes setzte.
„Frankfurt war das bessere Team in mindestens eineinhalb der zwei Spiele”, meinte Malmös Trainer Peter
Moberg hinterher. „Trotzdem bin ich stolz auf unser Team, wir haben gut gekämpft und es war am Ende sehr knapp!”
„Kompliment an beide Teams für ein gutes Spiel”, lobte Sven Kahlert. „Wir haben es endlich geschafft, unsere Vorteile im Spiel auch in der Chancenausspielung in
Tore umzumünzen. Wir wussten aus dem Hinspiel, dass Malmö nach 60 Minuten das hohe Tempo nicht mehr so mitgehen kann. Aber als Kerstin Garefrekes dann endlich das 1:0
gemacht hat, ist uns schon ein Riesenbrocken vom Herzen gefallen!”
1. FFC Frankfurt: Schumann - Percival, Bartusiak, Lewandowski, Weber (90+4. Thunebro) - Behringer (59. Crnogorcevic), Smisek, Marozsan - Garefrekes, Bajramaj, Huth
(80. Chojnowski)
LDB FC Malmö:
Helgadottir - Nilsson, Levenstad, Ilestedt, Frediksson - Veje, Wilhelmsson, Schmidt, Sjögran (46. Storck) - Bachmann (62. Robensson), Gunnarsdottir
Tore:
1:0 Garefrekes (66.)
2:0 Chojnowski (89.)
3:0 Garefrekes (90+1.)
Gelbe Karten:Bartusiak, Weber / Gunnarsdottir, Rubensson
Schiedsrichterin: Ester Staubli (SUI) mit Eveline Bolli (SUI) und Belinda Brem (SUI)
Zuschauer: 3310
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