| 29.05.2011 - Text von Roland Baumann, Bilder von Katrin Müller
In der Neuauflage des letztjährigen Finales im Craven Cottage in London besiegte Olympique Lyonnais den Titelverteidiger 1. FFC Turbine Potsdam mit 2:0 durch die beiden Tore von Wendie Renard und Lara Dickenmann. Der Sieg war unter dem Strich völlig verdient, zeigte sich doch das Team aus Lyon in den entscheidenden Spielszenen einfach cleverer und zielstrebiger.
(Ausgelassene Freude bei der Siegerehrung. Die Revanche für die letztjährige Finalniederlage war Lyon geglückt.)
Lyon mit gutem Start. Den über 14000 Zuschauern wurde von Beginn an ein munteres Spiel geboten. Bereits in der vierten Minute setzte sich Viola Odebrecht auf der linken Seite gegen zwei Gegenspielerinnen durch und brachte ihre Flanke auf die mitgelaufene Isabel Kerschowski, die aber nur einen Eckstoß herausholen konnte. Nach einer weiteren Möglichkeit für Lira Bajramaj aus der neunten Minute, konterte Olympique über Lousie Necib. Ein von Necib getretener Eckball nur zwei Minuten später landete am kurzen Pfosten. Mehr und mehr kam Lyon mit flüssigen Kombinationen in die Spielhälfte der Brandenburgerinnen, die ihrerseits nur noch mit halbherzigen Aktionen aufwarteten.
In der 16. Minute setzte sich Lotta Schelin gegen zwei Potsdamerinnen durch, verfehlte aber das Tor. Zehn Minuten später holte Élodie Thomis gegen gleich drei Verteidigerinnen einen Eckball heraus.
(Bild links: In der ersten Halbzeit lief es nicht gut für Turbine Potsdam, hier ist Lira Bajramaj gleich von drei Gegnerinnen (v.li. Louisa Necib, Sonia Bompastor und Laura Georges) umstellt.)
Der Eckstoß flog über den Torraum auf den langen Pfosten, von wo Amandine Henry ihn mit dem Kopf in die Mitte brachte. Lotta Schelin kam aus kurzer Entfernung zum Schuss, Anna Felicitas Sarholz parierte, doch dann stocherte Wendie Renard den Ball über die Linie. In einer weiteren Szene wenig später musste Sarholz gegen Lotta Schelin Kopf und Kragen riskieren, wobei sich beide Spielerinnen verletzten und behandelt werden mussten. In der 37. Minute schickte Thomis ihre Sturmpartnerin Schelin, deren Hereingabe von der Grundlinie aber sichere Beute von Sarholz wurde. Die Schlussphase der ersten Halbzeit brachte Potsdam nochmals zwei Möglichkeiten, aber erst bekam Anja Mittag nach einem Gestochere im Lyoner Strafraum den Ball nicht unter Kontrolle und kurz darauf vergab auch Bajramaj nach einem Abpraller ihre Möglichkeit.
(Bild rechts: Auch diese artistische Ballannahme von Isabel Kerschowski sollte ohne Torerfolg bleiben.)
Turbine versuchte alles. Nach der Pause versuchte Potsdam, den Druck zu erhöhen, was auch zu einigen guten Szenen führte. Dennoch musste der Titelverteidiger auf die Konter der Französinnen achten. So musste Sarholz in der 50. Minute gegen Thomis klären, um einen höheren Rückstand zu vermeiden. Auf der Gegenseite strich ein schöner Kopfball von Isabel Kerschowski, nach einem Freistoß von Kapitänin Jennifer Zietz, knapp am Gehäuse von Sarah Bouhaddi vorbei. Die Partie war jetzt hart umkämpft. Die zeitweise etwas ruppig gewordene Gangart wurde aber schnell nach der Verwarnung von Camile Abily abgelegt, nicht aber das hohe Tempo. In der 64. Minute brachte Kerschowski den Ball vors Tor, Renard verpasste, aber auch Anja Mittag konnte frei vor dem Tor mit dem Leder nichts anfangen, sodass Bouhaddi die Situation klären konnte. Das Spiel stand auf Messers Schneide. Nach einer weiteren Möglichkeit von Mittag musste in der 72. Minute auf der Gegenseite Sarholz eine Flanke von Thomis vor Schelin abfangen. Nachdem die Potsdamerinnen viele Chancen ungenutzt gelassen hatten, kam Lyon wieder besser ins Spiel. Nach einem Missverständnis zwischen Babett Peter und Torhüterin Sarholz brachte aber auch Schelin den Ball nicht über die Linie. In der 84. Minute legte Peter eine Hereingabe von Schelin deren Sturmpartnerin Laura Dickenmann so mustergültig vor, dass Sarholz alles riskieren musste, um den Gegentreffer zu verhindern.
(Obwohl Potsdam im zweiten Durchgang eine Reihe guter Chancen erarbeiten konnte, hier ein Kopfballduell zwischen Bianca Schmidt und Camille Abily, sollte es nicht mehr zum Sieg reichen.)
Keine Chance hatte die Keeperin in der nächsten Aktion. Ein langer Pass über die gesamte Potsdamer Abwehr hinweg erreichte Dickenmann, nachdem auch Inka Wesely den Ball verpasst hatte. Die schweizer Nationalspielerin in Reihen von Olympique Lyon bedankte sich und zirkelte das Leder an Sarholz vorbei zum 2:0 ins Tor. Potsdam erarbeitete sich dennoch eine weitere, letzte Chance, als Zietz einen Befreiungsversuch nach einem Eckball von Kerschowski abfing und Bouhaddi mit einem Lupfer prüfte. Lyons Keeperin war aber auf dem Posten und hielt das 'zu Null' sicher fest. Wenig später war das Spiel zu Ende, Olympique Lyon hatte den großen Coup gelandet und als erste französische Mannschaft einen internationalen Titel geholt.
Olympique Lyonnais: Bouhaddi - Renard, Georges, Henry, Schelin, Necib (55. Dickenmann), Cruz Trana, Thomis (73. Le Sommer), Bompastor, Viquier, Abily
1. FFC Turbine Potsdam: Sarholz - Peter, I. Kerschowski, Henning, Bajramaj, Zietz, Wesely, Odebrecht, Schmidt, Kemme, Mittag
Tore:
1:0 Renard (27.)
2:0 Dickenmann (85.)
Gelbe Karten: Abily / -
Schiedsrichterin: Dagmar Damkova (Cze) mit Adriana Secova und Lucie Ratajova
Zuschauer: 14303
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