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Champions-League-Finale

Elfmeterkrimi mit glücklichem Ende für Potsdam

Olympique Lyonnais – 1. FFC Turbine Potsdam 6:7 n.E. (0:0) (0:0)

Text von Roland Baumann

23.05.2010   Vor einer guten Kulisse mit über 10000 Zuschauern und bei hochsommerlichen Temperaturen musste das erste Champions-Leaque-Finale der Frauen in Madrid durch Elfmeterschießen entschieden werden. Nachdem weder in der regulären Spielzeit, noch in der Verlängerung einem der Teams ein Treffer gelang, fiel die Entscheidung zu Gunsten von Turbine Potsdam im Elfmeterschießen im neunten Schussversuch für Olympique Lyonnais, als Élodie Thomis beim Stande von 6:7 nur die Latte traf.

Dabei begann Olympique mit leichten Vorteilen. Das Team aus Lyon zeigte sich früh spielbestimmend und ließ Potsdam nur wenig Raum. Trotzdem gelang der sehr fleißigen Lira Bajramaj, die zur besten Spielerin des Spiels werden sollte, ein erstes Highlight. Sie hatte sich in der sechsten Minute auf der linken Außenbahn durchgesetzt und konnte nur durch ein Foul gestoppt werden. Der fällige Freistoß ging aber übers Tor.

UEFA-Flaggen

Etwas über 10.000 Zuschauer waren ins Stadion gekommen. Nicht ganz optimal, waren es doch bei den UEFA-Cup-Finals in den vergangenen beiden Jahren in Deutschland jeweils mehr als doppelt so viele gewesen

Bild: Marion Kehren

Doch auch die Französinnen erarbeiteten sich Chancen. In der 15. Minute traf ein Freistoß die Querlatte des Potsdamer Gehäuses, von wo der Ball gefährlich nahe dem Tor im Spiel blieb. Keeperin Anna Felicitas Sarholz konnte aber im Nachfassen die Situation klären. Kurz drauf konnte sich Ingvild Stensland auf der linken Seite gegen zwei Gegenspielerinnen behaupten, verzog aber knapp.

Nach einem Eckball kam Turbine in Nöten, als der Ball erst im vierten Versuch aus der Gefahrenzone befördert werden konnte. Wenig später konnte sich Sarholz erneut auszeichnen, als sie einen 30 Meter Schuss von Amandine Henry noch zur Ecke ablenken konnte. In der 26. Minute musste auf der Gegenseite Lyons Keeperin Sarah Bouhaddi alles riskieren, um eine tolle Steilvorlage von Anja Mittag auf Bajramaj abzufangen.

Anja Mittag

Turbine-Stürmerin Anja Mittag war meist gut bewacht und ließ sich oft zurückfallen, um sich überhaupt ins Spiel einschalten zu können

Bild: Katrin Müller

Bei einem weiteren Eckball prüfte Wendie Renard die Turbinentorfrau mit einem Kopfball. In dem munter ausgetragenen Spiel ergaben sich bis zur Pause auf beiden Seiten weitere gute Möglichkeiten, wie in der 33. Minute , als Louisa Nécib nach einem schnellen Gegenzug aus aussichtsreicher Position etwas leichtfertig vergab und auf der Gegenseite, als Anja Mittag aus einem Befreiungsschlag resultierend vor dem Olympique Tor auftauchte und nur durch ein Foul gebremst werden konnte. Den fälligen Freistoß setzte aber Bajramaj über das Tor.

Elodie Thomis

Eldie Thomis, nicht umsonst gelernte Leichathletin, beeindruckte durch ihre Schnelligkeit, hier lässt sie Tabea Kemme hinter sich

Bild: Katrin Müller

Doch konnten sich die Abwehrreihen auf beiden Seiten stets durchsetzen. Speziell die beide Torhüterinnen machten ihren Job sehr gut, während die Offensivabteilungen oft zu umständlich oder zu verspielt agierten, um ihre Chancen nutzen zu können. So blieb es zur Halbzeit beim 0:0.

Lira Bajramaj  gegen Amelie Rybeck

Lira Bajramaj, hier am Ball gegen Amelie Rybeck, sorgte mit vielen sehenswerten Dribblings für Aufsehen und war oft nur durch Foulspiel zu bremsen

Bild: Katrin Müller

Die zweite Spielhälfte knüpfte zunächst nahtlos an den ersten Durchgang an. Lyon blieb die aktivere Mannschaft, kam


Potsdam Champions Leauge Sieger

Da war es geschafft: Turbine-Kapitänin Jennifer Zietz stemmt den Champions-League-Pokal in die Höhe! Doch es war ein schweres Stück Arbeit in einem dramatischen Finale gewesen, bis die Turbinen den verdienten Lohn ihrer Mühen einfahren konnten!

Bild: Katrin Müller

aber nur selten zu guten Einschussmöglichkeiten. Potsdams Spiel wirkte dagegen nicht immer richtig durchdacht. Irgendwie schienen meistens mehr Französinnen in der Nähe des Balls zu sein als Turbinen. Doch ab Mitte der zweiten Halbzeit kam mehr Zug ins Turbinenspiel. Nachdem Bajramaj sich über die rechte Seite mit einem ihrer Klassedribblings bis zur Torauslinie durchgearbeitet hatte, kam der Ball zu Tabea Kemme, die freistehend mit voller Wucht abzog, doch Bouhaddi konnte den Schuss mit einem super Reflex abblocken und der zweite Versuch von Kemme ging dann knapp übers Tor.

Viola Odebrecht und Tabea Kemme gegen Isabell Herlovsen

Viola Odebrecht (links) und Tabea Kemme gegen die eingewechselte Isabell Lehn Herlovsen

Bild: Katrin Müller

In der 68. Minute brachte ein Freistoß nach einem Foul an Bajramaj nur eine Ecke ein, die wiederrum nichts einbrachte. Auf der Gegenseite setzte Nécib in der 72. Minute einen 30 Meter Freistoß übers Tor. Wenig später setzte sich Lara Dickenmann gegen Babett Peter durch, so dass Viola Odebrecht in höchster Not retten musste. Gleich drauf war es erneut Nécib mit einem Freistoß, die Sarholz zu einer Glanzparade zwang. In der Schlussphase der zweiten Halbzeit ergaben sich nochmals zwei gute Möglichkeiten für Potsdam. Zunächst vergab Bianca Schmidt nach einer schönen Kombination mit Yuki Nagasato.

Die Japanerin war gerade erst gegen die etwas blass gebliebene Jessica Wich eingewechselt worden. Dann traf Anja Mittag nach einer tollen Einzelleistung nur den Pfosten. So blieb auch die zweite Halbzeit torlos. Die Entscheidung war erstmals vertagt.

Elfmeterschießen
Elfmeterschießen

Da weder in der regulären Spielzeit noch in der Verlängerung ein Tor fiel, mussten die Teams ins Elfmeterschießen. Oben zittern die Turbinen, die zweitweise um zwei Tore zurück lagen, im unteren Bild sind die Spielerinnen von Olympique optimistisch, weil sie vorne liegen - zu früh gefreut!

Bilder: Marion Kehren

Auch die Verlängerung blieb spannend. Zu Beginn versemmelte erneut Mittag eine weitere gute Möglichkeit. In der 93. Minute brachte die insgesamt sehr starke Babett Peter mit einer unfreiwilligen Vorlage ihre Gegenspielerin Dickenmann in Schussposition, die aber das Ziel verfehlte. Dann kam wieder Potsdam. Nach einem Zuspiel von Bajramaj schoss Isabell Kerschowsky aus gut 25 Meter übers Tor. Gleich drauf rettete Bouhaddi im Lyoner Gehäuse mit einer Glanztat nach einem präzisen Doppelpass zwischen Viola Odebrecht und Bajramaj. Kurz vor dem erneuten Seitenwechsel versuchte Bajramaj ihre Teamkollegin Yuki Nagasato in Szene zu setzen, doch der Pass kam nicht an. Nachdem in der 107. Spielminute Peter ihre Gegenspielerin Élodie Thomis, die ein Solo über den halben Platz hingelegt hatte, fair vom Ball trennen konnte und kurz vor Ablauf der Nachspielzeit Nagasato gleich zweimal nur zweiter Sieger blieb, einmal bei einem Gestochere im Lyoner Strafraum und dann im Laufduell gegen Bouhaddi nach einem schönen Zuspiel, sowie einer Glanzparade von Sarholz bei einem 25 Meter Schuss von Dickenmann, musste die Entscheidung im Elfmeterschießen her.

Auffallend war die provozierende Gelassenheit, mit der Anna Felicitas Sarholz in dieses Elfmeterschießen ging. Mit verschränkten Armen und locker zurückgelehnt, erwartete sie die Torschützinnen im Tor. Zunächst hatte aber Lyon die Nase vorn, als Jennifer Zietz beim ersten Schuss scheiterte. Babett Peter und Viola Odebrecht verwandelten, dann veschoss Anja Mittag, während die ersten drei Französinnen sehr sicher verwandelt hatten. Jubel und strahlende Gesichter auf der französischen Bank, wo man sich schon zum Feiern bereit machte.


Schließlich brauchte nur noch eine der verbliebenen zwei Schützinnen ihren Elfer verwandeln - oder Bouhaddi noch einen halten. Drei Matchbälle für Frankreich also!

Anna Felicitas Sarholz

Anna Felicitas Sarholz zog mit ihren 17 Jahren schon alle Register: Mit ihrer Körpersprache, die Ruhe und Selbstbewußtsein ausstrahlte, versuchte sie die Elfmeterschützinnen von Olympique zu beeindrucken. Gut möglich, dass auch dies zum Erfolg beigetragen hat!

Bild: Katrin Müller

Doch es kam anders! "Felix" Sarholz hielt die Schüsse von Amandine Henry und Isabell Lehn Herlovson, Isabell Kerschowski behielt ebenfalls die Nerven und verwandelte ihre Elfer, und so stand es nach jeweils fünf geschossenen Elfmetern 3:3. Alles war wieder offen, es ging nun in die "Verlängerung des Elfmeterschießens!". Yuki Nagasto traf, Wendi Renard ebenfalls. Lira Baramaj traf, Simone auch. Dann traten die Torhüterinnen selber als Schützinnen an! Sarholz setzte den Ball bei Bouhaddi in die linke Ecke - und die machte es im Gegenzug bei Sarholz genauso! Dann verwandelte Bianca Schmidt sicher. Elodie Thomis trat an, zog ab, und der Ball ging mittig mit Wucht an die Latte! Das war die Entscheidung, der 1. FFC Turbine Potsdam ist der erste Sieger in der neugegründeten Women´s Chamions League!

Feuerwerk

Das erste Finalspiel am gleichen Spielort wie das Männerfinale war ein Erfolg, dank seiner Dramatik und dem würdigen Rahmen, hier das Bild vom Abschlussfeuerwerk

Bild: Marion Kehren

Olympique Lyonnais:
Bouhaddi - Franco, Georges, Renard, Rybeck, Cruz Trana (115. Simone), Stensland (70. Kaci), Henry, Necib (90. Herlovsen), Dickenmann, Thomis

1. FFC Turbine Potsdam:
Sarholz - Schmidt, Peter, Henning, Kemme (105. Schröder), Zietz, Kessler (66. I. Kerschowski), Odebrecht, Wich (66. Nagasato), Mittag, Bajramaj

Tore:
Im Spiel keine

Elfmeterschießen:
0:0 Zietz verschießt
1:0 Franco
1:1 Peter
2:1 Dickenmann
2:2 Odebrecht
3:2 Kaci
3:2 Mittag verschießt
3:2 Henry verschießt
3:3 I. Kerschowski
3:3 Herlovsen verschießt
4:4 Nagasato
4:4 Renard
4:5 Bajramaj
5:5 Simone
5:6 Sarholz
6:6 Bouhaddi
6:7 Schmidt
6:7 Thomis verschießt

Gelbe Karten: Renard, Georges, Cruz Trana - Kemme, Mittag

Schiedsrichterin: Kirsi Heikkinen (Fin)

Zuschauer: 10372


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