UEFA Women´s Champions League – Halbfinale – RückspielSieg über die himmlischen Mächte1. FFC Turbine Potsdam - FCR 2001 Duisburg 4:1 (1:0) (0:0) n.E. | ||
Text von Detlef Püschel 20.04.2010 Der 1.FFC Turbine Potsdam egalisiert im Rückspiel der Champions-League Halbfinalbegegnung gegen den FCR 2001 Duisburg die unglückliche Hinspielniederlage und zeigte im Elfmeterschießen seine Nervenstärke. "Heute kann gar nichts schief gehen" strahlten mich einige FCR-Anhänger bei der Begrüßung im Karl-Liebknecht-Stadion an. Da die Frauenfußballfans unter Sicherheitsexperten wohl als extrem gefährlich gelten, mussten sich auch die Duisburger-Fans einer Leibesvisitation unterziehen. Ich erkundigte mich nach dem Grund ihrer großen Zuversicht. Sie hatten wohl am Vortag einige Kerzen in einer Kirche gestiftet, "für jede Spielerin eine" fügten sie noch verschmitzt hinzu. "Jetzt haben wir Beistand von ganz oben" scherzten sie. ![]() Am Ende war die Enttäuschung groß auf Duisburger Seite wie hier bei Luisa Wensing. Nur ein Duisburger Tor in 120 Minuten hätte gereicht, um ins Finale zu kommen - doch es sollte nicht fallen Mir wurde nun bewußt, wie groß die Aufgabe für meine Turbinen wirklich war. Sie mussten nicht nur einen 0:1 Rückstand aus der Hinspielpartie wettmachen, sondern jetzt mussten sie auch noch gegen "himmlische Kräfte" kämpfen. Glücklicherweise war auch ich nicht ganz frei von Aberglauben, und hatte mir vorsorglich ein "historisches Trikot" angezogen. Dies stammte noch aus der Zeit, als Potsdam mit Duisburg kaum Probleme hatte, und immer so 3:0 und 5:0 gewann. ![]() Lag es am "historischen Trikot"? Duisburgs Goalgetterin Inka Grings (vorne), hier gegen Corina Schröder, blieb heute ohne Torerfolg So hatte jedes Fanlager nichts unversucht gelassen, um sich nach dem Spiel nichts vorwerfen lassen zu müssen, man hätte nicht alles versucht. Anfangs spielten die "himmlischen Kerzen" ihre zahlenmäßige Überlegenheit aus, denn der FCR kam besser ins Spiel, und hinderte Potsdam an dessen Entfaltung. Der deutsche Meister agierte sichtlich nervös, und kam erst spät zu geordneten Aktionen. Wer geglaubt hatte, dass sich Duisburg in der Defensive verschanzen würde, um dann auf Konter zu lauern, sah sich getäuscht. Vor der tollen Kulisse von 4522 Zuschauern, und prächtigem Fußballwetter, begann ein munteres auf und ab, ohne das es für eine Mannschaft ernsthaft gefährlich wurde. Duisburg hatte den besten Sturm der Liga in Hälfte eins gut im Griff, da sie dicht am Gegner standen, und die Gastgeberinnen zu viele Abspielfehler machten. So stand es zur Pause noch immer 0:0, und damit wäre der FCR im Finale. Nach dem Pausentee kam Yuki Nagasato für Jessica Wich, die leider recht blass blieb. Doch wieder begann Duisburg schwungvoll. Hatten die vielen mitgereisten FCR-Fans die "himmlischen Mächte" noch einmal beschworen? Anna Felicitas Sarholz rettete kurz vor der Strafraumgrenze im Herauslaufen ganz stark vor Laudehr, die auf einmal vor dem Potsdamer Gehäuse aufgetaucht war. Puhh, dass war knapp. In der 55. Minute trifft Anja Mittag dann das Tor, aber leider nur von außen ans Netz. Nun verlagerte sich das Geschehen so langsam in die Duisburger Hälfte, aber es fehlte immer noch die Präzision, um Uschi Holl zu überwinden. Das Spiel lebte jetzt von der Spannung. Wer würde den ersten Fehler machen, wer das erste Tor? Potsdam lief so langsam die Zeit davon, Anja Mittag probierte es jetzt mal aus der Distanz, aber knapp daneben ist leider auch vorbei. In der 61. Minute kam Tabea Kemme für die etwas überforderte Corina Schröder. Dieser |
Jubelnde Turbinen rund um Elfmeterkillerin Anna Felicitas Sarholz - der 1. FFC Turbine Potsdam fährt zum Finale der Champions League nach Madrid! | |
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Wechsel war Gold wert, denn keine 60 Sekunden später köpfte Tabea den Ball ins Duisburger Tor. Ein Jubelschrei brauste durch das Karli, tausende Steine polterten von den treuen Turbinefanherzen. Nach einem Eckball von Lira Bajramaj brachten die Gäste den Ball nicht aus dem eigenen 16-er, und im anschließenden Getümmel schaltete Potsdams U-20 Nationalspielerin am schnellsten. Jetzt war alles wieder offen, Turbine trifft endlich wieder gegen Duisburg. ![]() Mit diesem Kopfballtor öffnete Tabea Kemme die Türen ins Finale für ihr Team In der 70. Minute kam noch einmal Gefahr für Annas Tor auf, als Inka Grings einen Freistoß über die Mauer zirkelte, aber Potsdams Torschützin half hinten aus, und köpfte stark raus. Nun ließen bei den Rheinländerinnen die Kräfte sichtlich nach, obwohl sie, im Gegensatz zum Meister, die Woche über regenerieren konnten. Jetzt standen sie nicht mehr so eng an den Potsdamer Angreiferinnen, jetzt waren plötzlich die Räume da. Aber auch bei Turbine ließ die Konzentration nach, und viele Bälle, die sie sich mühsam erkämpft hatten, schenkten sie zu leicht wieder her. Das kostete zusätzliche Kräfte. Es war jetzt kein schönes Spiel mehr, aber die Spannung lag über dem Stadion. Duisburg war sichtlich geschockt von dem Tor, ihnen gelang kaum noch etwas Offensives. Potsdam jetzt fast nur noch im Vorwärtsgang, aber im Abschluss oft zu hektisch, und unpräzise. Das war jetzt nichts mehr für schwache Nerven, wer den nächsten Fehler macht, ist draußen. OH Mann, noch zwei Minuten Nachspielzeit, ich halts nicht mehr aus, es gibt Verlängerung. ![]() Duisburgs Keeperin Ursula Holl hielt gut, doch im Elfmeterschießen hatte sie gegen diesen Schuss von Babett Peter keine Chance Jetzt müssen bei sommerlichen 18 Grad sowohl die Physis, als auch die Nerven den Ausschlag geben. In der 100. Minute noch mal eine Großchance für Turbine, aber den Schuss von der auf Weltklasseniveau spielenden Viola Odebrecht konnte Uschi Holl gerade noch parieren, und auch Yuki Nagasato gelang es nicht, den Ball an ihr vorbeizuschieben. In der zweiten Hälfte der Verlängerung stand Duisburg hinten mit zehn Spielerinnen und war nur noch am Abwehren. Gleich mehrfach mussten die Löwinnen aus höchster Not retten, es spielte jetzt nur noch Turbine Potsdam. Vier Minuten vor Schluss konnte sich noch einmal die beste Duisburgerin auszeichnen, als sie einen strammen Schuss von Jenny Zietz stark parierte. Dann war Schluss, und das hieß "Nervenkitzel pur". Pünktlich zum Elfmeterschießen brach auch der Turbine-Server zusammen, so dass wohl auch die Leute am Live-Ticker dem Herzinfarkt nahe waren. Der Ausgang las sich dann folgendermaßen: |
2:0 Zietz (unten links, Holl springt nach rechts) ![]() Nach zwei verschossenen Elfmetern sah es schon ziemlich schlecht aus für Duisburg - die bangen Gesichter der Spielerinnen sprechen Bände
4:0 Peter (halbhoch links) ![]() Anna Felicitas "Felix" Sarholz im Glück - mit drei gehaltenen Elfmetern entschied Potsdams 17-jährige Keeperin das Halbfinale
1. FFC Turbine Potsdam:
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